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N° 1237
22. - 28.01.2022

nächste Aktualisierung
am 29.01.2022



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Robert Schumann

„Psychogramme“ (Davidsbündlertänze op. 6, Fantasiestücke op. 12, Toccata op. 7)

Annette Seiler

Musikmuseum/Note 1 MMCD13034
(73 Min., 8/2017)

Ein Flügel des Klavierbauers Conrad Graf, der in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Wien seine Werkstatt hatte, ist die „Hauptperson“ dieser Aufnahme: Er steht im Tiroler Landesmuseum in Innsbruck und ist vergleichbar mit einem Flügel, den Graf selbst im Jahre 1838 Clara Schumann geschenkt hat. Die Pianistin schätzte Grafs Flügel sehr; man darf deshalb davon ausgehen, dass der Klang und die mechanischen Gegebenheiten eines solchen Instrumentes Clara Schumanns Spiel inspiriert und damit auch die frühe Rezeptionsgeschichte der Klaviermusik Robert Schumanns beeinflusst haben. So war es naheliegend, eine CD mit entsprechenden Werken zu produzieren. Die Pianistin Annette Seiler hat sich dem Tiroler Landesmuseum dafür zur Verfügung gestellt.
Tatsächlich vermittelt der historische Flügel durchgängig einen anderen akustischen Eindruck von den präsentierten Stücken als Aufnahmen mit modernen Instrumenten: Faszinierend ist die Tiefenschärfe des Klanges und im Zusammenhang damit auch die differenzierte Wahrnehmbarkeit der verschiedenen gleichzeitig erklingenden Schichten des musikalischen Satzes. Niemals verschwimmt die Musik im Pedalnebel, den man als eine Art „Chiaroscuro“-Effekt ja für geradezu Romantik-typisch zu halten geneigt ist – zahlreiche moderne Pianisten widmen sich entsprechend ausgiebig dieser Verschleierungs-Taktik. Umso klarer tritt das Klangspektrum des Graf-Flügels in dieser Aufnahme zutage, und dabei fällt auf, dass das historische Instrument anders als moderne Flügel im Timbre nicht von oben bis unten ausgeglichen und ebenmäßig intoniert ist, sondern je nach Lage anders klingt – fast möchte man von unterschiedlichen Registern sprechen. Dieses Phänomen ermöglicht der Pianistin ganz spezielle Effekte beim Hervorheben einzelner Stimmen, und sie macht von diesen Möglichkeiten auch ausgiebig Gebrauch. Insofern ein durchaus erleuchtendes Hörerlebnis gerade auch für diejenigen, die die Stücke gut kennen. Wenn – im Vergleich mit modernen Aufnahmen – überhaupt ein Wunsch offenbleibt, dann ist es eine gewisse Abwesenheit von spektakulärer Virtuosität und Brillanz. Ob dies vor allem an der Pianistin oder auch an der Mechanik des Instruments liegt, können wir indes an dieser Stelle nicht entscheiden.

Michael Wersin, 02.03.2019



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