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N° 1229
27.11. - 03.12.2021

nächste Aktualisierung
am 04.12.2021



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Drake

Benny Lackner Trio

Ozella/Galileo OZ095CD
(43 Min., 1 & 12/2017)

Lange Zeit war der deutsch-amerikanische Pianist Benny Lackner ein Wanderer zwischen den Welten. Nun, nach Jahren des Pendelns zwischen den Staaten und Deutschland, hat er sich in seiner Geburtsstadt Berlin niedergelassen. Davon kündet auch der Titel des inzwischen sechsten Albums, das in der Zusammenarbeit mit E-Bassist Jerôme Regard und Schlagzeuger Matthieu Chazarenc entstanden ist.
Obwohl Lackner in dieser Hinsicht keine Erklärung liefert, ist davon auszugehen, dass „Drake“ nicht für den kanadischen Erfolgsrapper gleichen Namens steht, sondern wohl eher für den Bildhauer Friedrich Drake, den Schöpfer der Goldelse auf der Siegessäule.
Aber auch der Entdecker Francis Drake könnte durchaus Pate gestanden haben für die nach weiten Horizonten klingende Musik des Trios. Hin und wieder meint man Möwen kreischen zu hören, wenn Lackner und Regard ihren Instrumentenklang mit subtilen elektronischen Effekten manipulieren. Vor allem vom Bass hört man auf der Aufnahme regelmäßig ein unwirkliches Schaben und Knarzen, verzerrte Meerjungfrauengesänge oder ein dumpfes dubbiges Dröhnen aus den Tiefen des Schiffsrumpfs.
Auf der Grundlage der zurückhaltend punktgenauen Zuarbeit seiner beiden langjährigen Begleiter kann Lackner an Klavier und Rhodes sein ganzes Können als Solist und Komponist entfalten. Dass man sich atmosphärisch an Brad Mehldaus „Largo“ erinnert fühlt, kommt nicht von ungefähr. Schließlich war Mehldau Lackners Privatlehrer in den 1990er Jahren.
Der Einfluss des Mentors ist auf „Drake“ nicht nur in den fabelhaft ausformulierten Improvisationen zu spüren, sondern auch in der Sympathie für die fiebrige Intensität und die zerbrechlichen Melodien von Radiohead. Nicht umsonst heißt eines der Stücke auf dem Album „Yorke“ wie der Sänger der von Mehldau so geschätzten und oft gecoverten Postrockband. Und ja: Angesichts der Stücke, zu der man sich gut die Stimme des Sängers Thom Yorke vorstellen könnte, wäre das möglicherweise der passendere Titel für diese süchtig machende Platte gewesen.

Josef Engels, 23.03.2019



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