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N° 1253
14. - 20.05.2022

nächste Aktualisierung
am 21.05.2022



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Mieczysław Weinberg

Sinfonien Nr. 2 & 21

Gidon Kremer, City of Birmingham Symphony Orchestra, Kremerata Baltica, Mirga Gražinytė-Tyla

DG/Universal 483 6566
(89 Min., 11 & 12/2018) 2 CDs

Seine Solo-Konzerte wurden von sowjetischen Musikerhelden wie David Oistrach und Mstislav Rostropowitsch uraufgeführt. Sein Mentor und Beschützer auch in schwierigsten Phasen war Dmitri Schostakowitsch. Und überhaupt ist das Schaffen, das der 1919 in Polen geborene und 1996 in Moskau gestorbene Mieczysław Weinberg hinterlassen hat, so umfangreich wie unbedingt hörenswert. Trotzdem musste in den letzten Jahren erst ein Gidon Kremer kommen, um mit Einspielungen für das Münchner ECM-Label den Fokus wirkungsvoll auf Weinberg zu richten. Kein Wunder, dass dieser weiterhin neugierige Jahrhundertgeiger unbedingt auch die eingestreuten Violinsoli in Weinbergs Sinfonie Nr. 21 spielen wollte, die die litauische Dirigentin Mirga Gražinytė-Tyla zusammen mit den Musikern ihres City of Birmingham Symphony Orchestra und der Kremerata Baltica jetzt im Rahmen ihrer Hommage an den Sinfoniker Weinberg aufgenommen hat.
Fast ein halbes Jahrhundert liegt zwischen der ebenfalls zu hörenden, für Streichorchester komponierten Sinfonie Nr. 2 op. 30 (1946) und der Nr. 21 (1991). Und wenngleich es immerhin im finalen Allegretto zu reizvoll luftig-verspielten Pizzikati-Effekten kommt, ist in der 2. Sinfonie dieser schicksalstrunkene Grundton allgegenwärtig, der in der mit „Kaddish“ betitelten Sinfonie Nr. 21 op. 152 zunächst fast explodiert – und ganz zum Schluss regelrecht implodiert. Im Gedenken an die im Warschauer Ghetto Ermordeten hatte Weinberg diese fast einstündige Sinfonie geschrieben. Und wenngleich immer wieder der Einfluss von Schostakowitsch aufblitzt, in der schneidigen Perkussion, in den wilden Fanfarenstößen und sogar im zirkushaft Burlesken (4. Satz), läuft doch alles auf ein knapp 14-minütiges Panorama des Leidens und des Flehens hinaus, wie man es in dieser Eindringlichkeit selten zu hören bekommt. Das finale Lento ist ein einziger karger beklemmender und dabei so ungemein magisch-leuchtender Klagegesang – vorgetragen von Mirga Gražinytė-Tyla selbst! Die Vokalisen der aus Litauen und damit einem enorm sangesfreudigen Land stammenden Dirigentin verbünden sich dabei in einem kammermusikalischen Geflecht immer wieder auch mit den ächzenden Einwürfen der Solo-Violine Gidon Kremers. Alles bewegt sich dabei auf den völligen Stillstand und die leere Stille hinzu – und nach einem kurzen Aufbäumen des gesamten Orchesters fällt alles in sich zusammen. 2019 steht im Zeichen des 100. Geburtstags von Mieczysław Weinberg. Die anlässlich dieses Jubiläums jetzt vorgelegte, großartige Einspielung ist die entsprechende Würdigung dieses immer noch großen Unbekannten.

Guido Fischer, 18.05.2019



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