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Antonio Vivaldi

Musica sacra per alto

Delphine Galou, Accademia Bizantina, Ottavio Dantone

Naïve/375 Media 05177052
(59 Min., 1/2018)

Vivaldi und kein Ende: Die 59. Folge des gewaltigen Projektes liegt mit dieser CD vor, veröffentlicht sind bisher zwei Drittel der geplanten Folgen. Das Material speist sich aus Antonio Vivaldis privater Notenbibliothek, die in den 1920er Jahren gefunden und dann von der Turiner Nationalbibliothek gekauft wurde – sie enthält sage und schreibe 450 Autografe aus der Hand des Meisters. Weite Teile der geistlichen Musik Vivaldis wären ohne diese einzigartige Quellensammlung heute unbekannt. Ebensolcher geistlicher Musik, komponiert zumeist für die Sängerinnen des „Ospedale della pietà“ in Venedig, widmet sich die neue CD. Hauptprotagonistin ist die Altistin Delphine Galou, betraut mit der schwierigen Aufgabe, das teils unangenehm tief liegende Repertoire sprachaffin mit dem vom Text her geforderten Ausdrucksspektrum umzusetzen. Das gelingt ihr nur bedingt: Extravertiertere Expressivität, etwa in der Arie „Ad te clamamus“ im „Salve Regina“ RV 618, kann Galou in tieferer Lage lediglich mit ausgeprägtem Vibrato, oft mit flackernder Stimme, produzieren. Für den Hörer ist das so unbehaglich, wie es für Galou unbequem zu singen gewesen sein muss. Man höre das genannte Stück in der Version von Nathalie Stutzmann in Robert Kings Gesamtaufnahme der geistlichen Werke Vivaldis: Diese ansonsten sicher nicht über jeden Zweifel erhabene Sängerin hat einen unvergleichlich sichereren Zugriff auf das tiefe Register, und folglich kann King das Orchester viel zupackender agieren lassen als Dantone in der vorliegenden Aufnahme. Delphine Galou ist für dieses Repertoire keine ideale Besetzung. Das ist schade, denn um sie herum geschieht viel Schönes und Differenziertes auf instrumentaler Ebene, und das im Programm enthaltene Violinkonzert RV 582 kann uneingeschränkt genossen werden. Ansonsten jedoch überwiegt das Unbehagen.

Michael Wersin, 29.06.2019



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