Responsive image
Wolfgang Amadeus Mozart

Klavierkonzerte (arr. für Akkordeon)

Viviane Chassot, Camerata Bern

Sony 19075908412
(78 Min., 9/2018)

Da raucht dem Rezensenten der Schädel: Wie lässt man dieser Produktion Gerechtigkeit wiederfahren? Drei ganz unterschiedliche Klavierkonzerte von Wolfgang Amadeus Mozart, vorgetragen mit einem Akkordeon als Soloinstrument, begleitet von der brillanten Camerata Bern, die ohne Dirigent mit der Solistin Viviane Chassot perfekt kommuniziert. Kein Zweifel: Das Akkordeon ist in den letzten Jahrzehnten zu einem salonfähigen, seriösen Instrument avanciert, viele Musikhochschulen bieten einen künstlerischen Studiengang „Akkordeon“ an. Es gibt auch klassische Literatur für dieses Instrument, vor allem zeitgenössische. Aber wie sinnvoll ist es, ein klassisches Klavierkonzert auf das Akkordeon zu übertragen?
Festzuhalten ist: Viviane Chassot liefert eine artikulatorisch, dynamisch und agogisch hochdifferenzierte Interpretation des Soloparts, ihre interpretatorische Leistung ist unanfechtbar großartig. Die Problematik beim Bewerten dieser Aufnahme beginnt deshalb nicht auf der Ebene der Darbietung als solcher, sondern bei der Frage, ob der Klang des Akkordeons im Rahmen der Wiedergabe einer Mozart-Partitur mit dem Klang des Orchesters zusammenpasst. An dieser Stelle bewegt man sich auf dem Terrain des Geschmacksurteils: Der Rezensent kann dieser Kombination leider nicht viel abgewinnen. Die Suche nach einer historischen „Rechtfertigung“ der Besetzung führt auch nicht weit: Die Geschichte des Akkordeons beginnt im früheren 19. Jahrhundert, eine Verbindung zur Mozart-Zeit lässt sich nicht herstellen.
Na und, könnte man einwenden: Ein moderner Konzertflügel hat mit Mozarts Instrument auch nicht mehr viel zu tun. Das ist unzweifelhaft wahr, an diesem Punkt wird die weitreichende Zeitgebundenheit jeglichen Interpretierens der Musik vergangener Tage offenbar. Deshalb wäre Kritik im Sinne von „Darf man das?“ auch im vorliegenden Fall wohl wenig fundiert. Summa summarum kann allenfalls konstatiert werden: Viviane Chassot und die Camerata Bern spielen hervorragend zusammen, ihre Wiedergabe als solche wird den Stücken insgesamt und en Detail absolut gerecht. Eine individuell zu entscheidende Geschmacksfrage bleibt indes das Timbre des Durchschlagzungeninstruments in dieser Musik.

Michael Wersin, 13.07.2019



Diese CD können Sie kaufen bei:

Als JPC- und Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen


Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Alterslos: Der junge Violinist Théotime Langlois de Swarte hatte nach seinem Vorspiel für eine Stelle in William Christies berühmten „Les Arts Florissants“ mit Vorurteilen zu kämpfen. Kann ein Violinist, der ebenso brillant Schostakowitsch interpretiert wie barocke Sonaten, der Richtige sein für diese Elitevereinigung von Puristen? Er kann – denn wie Williams im Interview auch zugibt, war er schon beim ersten Spiel gefangen genommen von der spürbaren Leidenschaft de Swartes für die […] mehr »


Top