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Franz Schubert u.a.

„Drang in die Ferne“ (Kunstlieder und Volkslieder aus Island)

Benedikt Kristjánsson, Alexander Schmalcz, Tillmann Höfs

Genuin/Note 1 GEN19645
(64 Min., 8/2018)

Der Isländer Benedikt Kristjánsson, gut im Geschäft mit Bach, verfügt über einen sehr geraden, selbst im Forte und auf Spitzentönen kaum vibrierenden Tenor. Man glaubt einen tiefergelegten Knabensopran zu hören. Tatsächlich sang der 1987 in Húsarvík Geborene bereits im Chor, als er sich – mit 16 Jahren – von der Sängerin Margrét Bóasdóttir, seiner Mutter, ausbilden zu lassen begann. Bei mehreren CD-Produktionen unter Hans-Christoph Rademann hat er bereits mitgewirkt.
Früher hätte man derlei eine „weiße Stimme“ (voce bianca) genannt. Der Mangel, Farben und Kontraste zu bilden, muss durch deklamatorische Fähigkeiten ausgeglichen werden. Hier hilft ihm Jugendlichkeit durch Schmelz und Süße. Streckenweise wachsen der Stimme narkotische Aspekte zu.
Die Abwechslung zwischen Schubert-Liedern und isländischen Volksweisen funktioniert gut. Der Sänger hat in einem Interview betont, das Volkslied „Stóðum tvö í túni“ sei in der Phrygischen Kirchentonart, Grundton Es, notiert; demselben Ton, in dessen Tonart (Es-Dur) auch das folgende Schubert-Lied „Du bist die Ruh“ D776 stehe. Nun, diese Verbindung hört man hier wirklich. So macht sich im – isländisch intermittierten – Schubert-Programm eine ‚Kirchentonartlichkeit’ breit, die das Album weit über den Durchschnitt hinaus hebt.
Textverständlichkeit bei „Der Schiffer“, „Willkommen und Abschied“, „Auf dem Strom“ und ein Paar Auszügen aus „Winterreise“ und „Schöner Müllerin“ sind sehr gut; inhaltliche Ausdeutung nicht ganz so (wie heute oft üblich). Lupenreine, teilweise etwas flache Spitzentöne. Alexander Schmalcz begleitet ätherisch. Vor allem aber könnte der Sänger, aller keuschen Inbrunst unerachtet, ein paar Farben mehr vertragen. Was für die Zukunft nicht unmöglich ist.

Robert Fraunholzer, 03.08.2019



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