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N° 1253
14. - 20.05.2022

nächste Aktualisierung
am 21.05.2022



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Foursight – Stockholm Vol. 1

Ron Carter

In+out records/Edel 1071392102
(57 Min., 11/2018)

Mit dem Alter kommt die Reife. Das sagt man so dahin, und manchmal stimmt es auch. Zum Beispiel beim Kontrabassisten Ron Carter, was der Mitschnitt seines Quartetts „Foursight“ vom 17. November 2018 im Stockholmer Club „Fasching“ belegt. Carters 81. Geburtstag lag an diesem Tag schon mehr als ein halbes Jahr zurück.
Mitgebracht hatte er die Pianistin Renee Rosnes, den Tenorsaxofonisten Jimmy Greene und den Schlagzeuger Payton Crossley – alle drei sind erfahrene Musiker des akustischen, aus dem Hard Bop entwickelten heutigen Jazz. So orientiert sich der Tenorsaxofonist Jimmy Greene nicht nur an den Größen der 1950er; er integriert auch die kratzigen Sounds aus den Free-Jahren und die sperrige Melodieführung der Avantgarde der 1990er um Greg Osby und Steve Coleman in seine Improvisationen. Die Pianistin Renee Rosnes, in den USA eine begehrte Begleiterin, bildet ein perfektes Bindeglied zwischen Carter, Greene und dem geschickt Akzente setzenden Schlagzeuger Payton Crossley. Die großen Soli bleiben indessen Carter und Greene vorbehalten, wobei Carter den Kontrabass stets von der ansonsten üblichen Grundierungs- und Begleitfunktion befreit hat und – durch eine stärkere Präsenz in der Abmischung zusätzlich betont – vom ersten bis zum letzten Ton wie ein solistischer Partner seines Band agiert.
Als Volume 1 veröffentlicht das Label den zweiten Set des Konzerts; der erste soll ein Jahr später als Volume 2 erscheinen. Das einleitende „Cominando“ verweist – obwohl Carter es erst zur Jahrtausendwende veröffentlicht hat, in die 1960er zurück, als er auf der Platte „Uptown Conversation“ sein bassdominiertes, an Breaks, markanten Linien und Zwischenräumen reiches Bandkonzept entwickelt hat, bei dem zudem kurze Wendungen der einzelnen Instrumente so ineinander verschachtelt sind, dass im Zusammenklang eine weitere Melodie neben der des Solisten entsteht. Dies setzt sich in einer federnden Version des von Miles Davis und Victor Feldman komponierten „Joshua“ und Carters eigenem, filigranem „Little Waltz“ fort, der ihn seit „Uptown Conversation“ begleitet. Nahtlos schließt sich das ähnlich konzipierte „Seguaro“ an, das er 1977 auf seiner Platte „Piccolo“ erstmals vorgestellt hatte. Eine kurze „Cominando“-Reprise beendet die Reihe der nahtlos ineinander übergehenden Stücke. Nach der Vorstellung der Musiker leitet der Blues „Nearly“ – ein Verwandter des „All Blues“ aus Miles Davis´ Repertoire – das Konzertende ein, wobei den Bandmitgliedern hier bereits größere Freiräume für Soli zur Verfügung stehen. „You and The Night and The Music“ beschließt das Konzert mit einer swingenden Session. Bei aller Liebe zum Konzept: Auch in dieser Urdisziplin des Jazz ist Ron Carter ein Meister.

Werner Stiefele, 12.10.2019



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