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Robert Schumann

Myrthen op. 25

Camilla Tilling, Christian Gerhaher, Gerold Huber

Sony 19075945362
(49 Min., 2/2017, 7/2018 & 3/2019)

Eine fantastische CD, in zweierlei Hinsicht. Erstens sei dieses Rezital empfohlen wegen des Repertoires: Schumanns „Myrthen“ op. 25, ein Liedzyklus aus dem großen Liederjahr 1840, wird viel seltener als die „Dichterliebe“ oder der „Liederkreis“ op. 39 als Zyklus eingespielt. Meistens tauchen nur die „Hits“ aus op. 25, also die „Widmung“, „Die Lotosblume“, „Der Nussbaum“ und einige andere, als Einzelnummern innerhalb von Schumann-Rezitals oder gar als Zugaben im Konzert auf. Für diese CD aber wurde der ganze Zyklus eingespielt. Dabei treten die vielen weniger bekannten Nummern dieser großartigen Sammlung aus dem Schatten und gesellen sich selbstbewusst zu den Evergreens, mit denen sie zweifellos qualitativ ohnehin auf einer Ebene stehen.
Zweitens sei das Rezital empfohlen wegen Christian Gerhaher: Der mittlerweile 50-Jährige begeistert mehr noch als in seinen frühen Jahren durch eine Jugendlichkeit und Frische, die ihresgleichen sucht. Völlig unverbraucht scheint nicht nur seine famose Baritonstimme, sondern auch seine interpretatorische Kreativität. Zielsicher setzt er sprachlich-musikalische Inhalte durch kleine dynamische Effekte, Vokalfärbungen und rhetorische Kniffe um, bewahrt dabei aber stets ein untrügliches Gespür für Natürlichkeit, mit dem er jeglicher Gefahr einer „Fischer-Dieskauisierung“ der Darbietung zu entgehen versteht.
Angesichts von so viel Souveränität hat es Camilla Tilling, die Sopranistin an seiner Seite, recht schwer: Das ungekünstelte Miteinander von Wort und Melos beherrscht sie bei weitem nicht so perfekt wie Gerhaher, immer wieder geraten ihr interpretatorische Effekte ein wenig aus dem Ruder, kommen eben tatsächlich eher als Effekte daher denn als selbstverständlich aus dem Erzählen via Gesang sich ergebende Ausdrucksnuancen. Das ist der kleine Wermutstropfen im sonst so edlen Wein dieser dennoch überaus hörenswerten Schumann-CD.

Michael Wersin, 26.10.2019



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Kommentare

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stefan.hueller
Ich stimme Herrn Wersins Rezension in allen Punkten zu. Es ist schade, dass hier zwei Welten zwischen den beiden Sängern liegen, so gerne ich mir auch sonst Camilla Tillings Stimme anhöre. Christian Gerhahers Diktion ist perfekt. Allein wegen ihm ist die CD hörenswert. Beim Anhören einer aus dem Jahr 2000 stammenden Hyperion-Aufnahme des Myrthen-Zyklus mit Dorothea Röschmann und Ian Bostridge glaubte ich nicht die gleichen Stücke zu hören.Das lag zum einen daran, dass ein Teil der Lieder von der jeweils anderen Stimmlage vorgetragen wird, aber auch an der grossartigen Darbietung Dorothea Röschmanns. Beiden Sängern, Röschmann und Bostridge, gelingt es, das romantisch Schwärmerische in Schumanns Liedern hervorzubringen. Sie haben aber auch Duette zu singen, die für die Sony CD nicht aufgenommen wurden.




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