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Igor Strawinski, Maurice Ravel

„Der Feuervogel“, 3 Sätze aus „Petruschka“, „Miroirs“, „La valse“

Beatrice Rana

PLG Classics/Warner 9029541109
(73 Min., 6 - 9/2019)

Im labelinternen Wettlauf zwischen der Italienerin Beatrice Rana und der Deutschen Sophie Pacini hat die 26-jährige Apulierin anscheinend den Sieg davongetragen. Gefördert von Antonio Pappano, folgt hier schon ihr drittes Solo-Album auf einem Major-Label (vorangegangen waren zwei bei kleineren Firmen). Man hat – angesichts des Aufnahmedatums vor erst wenigen Wochen – ordentlich auf die Tube gedrückt.
Der vollgriffige, warme, ja glühende Klang der Künstlerin lohnt eine Bekanntschaft. Ravels „Miroirs“ koloriert Rana schwungvoll und mit unerhört farbenreichem Aplomb. Das italienische Temperament lässt sich nicht verleugnen, und muss es ja auch nicht. Von „La valse“ gibt es kaum eine so dionysisch taumelige, sich erst langsam aus schwerem Chaos zum Tanz verflüssigende Sichtweise. Wenn man etwas bekritteln wollte, so wäre es die wohlgesättigte Vorliebe, aus dem Vollen zu schöpfen, um es mit beiden Händen gleich wieder zum Fenster hinaus zu werfen: Es fehlt ein bisschen Abgrundbewusstsein, Sprödigkeit oder sogar Tristesse. Ein typischer Fehler jener jüngeren Generation, für die Perfektion hohes Gebot, Tiefsinn und Erschüttertsein aber (noch) Fremdworte darstellen.
Bei den drei Sätzen aus „Petruschka“ erlangt Rana vollkommene Virtuosität, nicht aber die kristalline Härte und Transparenz eines Pollini. Der russische Tanz ist draufgängerisch und schönheitsbewusst. Eigentlicher Höhepunkt der CD dürfte der vom Busoni-Schüler Guido Agosti arrangierte „Feuervogel“ sein. Rana jagt ihn irrlichternd und klecksend, rasend und außer sich vor Temperament über die Tasten. Es handelt sich um die gewiss prominenteste und beste Einspielung dieser Version (neben Jenny Lin, Ji Liu u.a.). Im Dezember kommt die Künstlerin nach Wien, Dortmund, Stuttgart und Frankfurt. Vormerken!

Robert Fraunholzer, 26.10.2019



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