Responsive image

Moving Krippenspielers, Vol. 1

Matthias Schriefl

Resonando/exando music RN-10010
(66 Min., 2014 -2017)

Wer Matthias Schriefl und seinen speziellen Sinn für Humor kennt, weiß: Wenn der mehrfach begabte Trompeter ein Krippenspiel auf CD pressen lässt, kommt dabei nicht der übliche Adventssüßkram heraus, der einem in der Jahresendzeit sonst so die Ohren verklebt. In Schriefls Weihnachtsbäckerei werden selbstverständlich keine staubtrockenen Plätzchen gefertigt, sondern lauter musikalisch hochwertige Scherzkekse.
„Moving Krippenspielers, Vol. 1“, das bei „adventlichem Kerzenlicht“ zwischen 2014 und 2017 jeweils im Dezember Stück für Stück aufgenommen wurde, ist ein wild wucherndes Hörspiel, das sowohl die Geschichte von Maria, Josef und ihrem Sohn Justin (sic!) als auch sattsam bekannte Weihnachtslieder deftig umarrangiert.
„O Tannenbaum“ kombiniert beispielsweise mongolischen Kehlkopfgesang mit Blasmusik aus Bayern und New Orleans, bei „Ihr Kinderlein“ grüßen Chick Corea und Arturo Sandoval, „Morgen kommt der Weihnachtsmann“ klingt verdächtig nach „St. Thomas“ von Sonny Rollins, während „Kommet ihr Hirten“ eine Verbeugung vor dem heiligen Josef des Jazz, Joe Zawinul und seinem Stück „Birdland“, ist.
Womit aber nur ganz unzureichend angedeutet wäre, wen Schriefls Krippenspieltrupp mit Chorgesang, Blas- und Streichinstrumentarium, Schweineorgel und Schlagwerk (der Bandleader selbst spielt neben Trompete, Euphonium, Baritonsaxofon, Posaune und Akkordeon) parodistisch aufeinandertreffen lässt: Ludwig Güttler und Rammstein-Sänger Till Lindemann, Chris Howland und Rapper Cro, DJ Ötzi und Helge Schneider, Bing Crosby und den Alm-Öhi sowie das Team von „Sketch History“ und diverse Erzengel.
Sicher: Zarte Gemüter mit einem Restglauben an die Vorgänge in Bethlehem könnte dieser zum Teil höchst virtuose Heidenspaß nachhaltig verstören. Allen anderen (zuvorderst denen, die sich ihr inneres Pubertier bewahrt haben) sei das Neue Testament nach Matthias als Alternative zum Glühwein-Binge-Drinking empfohlen. Man muss davon genauso kichern, hat aber am nächsten Tag keine Kopfschmerzen.

Josef Engels, 30.11.2019



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Nun gibt es sie also, die erste offizielle Barock-CD (oder sogar generell?!) zur Coronakrise. Zumindest für das Coverfoto posiert die Lautten Compagney Berlin im Mundschutz, den man bei den Proben freilich auch in enger Kreisaufstellung nicht trug, wie die übrigen Fotos belegen. Hier soll der Bezug zur Krise die schon früher geborene Idee eines Bach-Albums brachial aktualisieren, wobei Bachs Musik durch diese Verengung auf COVID-19 nicht unbedingt gewinnt, so fundamental ist seine […] mehr »


Top