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Giovanni Gabrieli, Salomone Rossi, Biagio Marini u. a.

Quattro Violini a Venezia

Stéphanie de Failly, Bruce Sailly, Clematis

Ricercar/Note 1 RIC404
(64 Min., 10/2018)

Die Emanzipation der Instrumentalmusik, ausgehend von Norditalien, ist ein ausgesprochen spannendes Kapitel der Musikgeschichte. Mit Gattungsbezeichnungen wie „Canzon“, die unmissverständlich an das vokale Repertoire anknüpfen, wird einerseits noch die Verbindung zum mehrstimmigen Repertoire der Vokal-Capellen verdeutlicht. Andererseits entwickelten die Instrumentalisten, die selbstbewusst die neuen Möglichkeiten nutzten, schon bald ein ganz eigenes, typisches instrumentales Repertoire von teils hochvirtuosen Spieltechniken und Verzierungskünsten, das dieser neuen Musik im Laufe des 17. Jahrhunderts ein ganz eigenes Gepräge verleiht und sie zum Ausgangspunkt der klassischen Instrumentalmusik als solcher werden lässt.
Viel Spezialwissen ist nötig, um die genannten Aspekte möglichst original an den überlieferten Quellen und zudem möglichst wirkungsvoll und klangschön umzusetzen: Immer geht es beim Musizieren auch um den sinnlichen Reiz, der das Publikum unmittelbar begeistern soll. Spielt man allerdings Alte Musik wie das in unserer diesbezüglich museal ausgerichteten Gegenwart fast immer der Fall ist, muss man diese Musik einerseits aus ihrer Zeit heraus (eben basierend auf den Erkenntnissen, die man über diese Zeit hat), andererseits aber auch für unsere heutige Zeit zum Faszinosum werden lassen. Den fantastischen Instrumentalistinnen und Instrumentalisten von „Clematis“ gelingt dies vorzüglich: Sie machen durch ihr Spiel verständlich und erlebbar, dass die Instrumentalmusik des Frühbarock eine besonders intensive und anrührende Expressivität entwickeln musste, um ohne das vormals omnipräsente vokale Element das Publikum nachhaltig anrühren und begeistern zu können.

Michael Wersin, 07.12.2019



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