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Mieczysław Weinberg

Klavierquintett op. 18

Olga Scheps, Kuss Quartett

Sony 19075937152
(45 Min., 1 & 2/2019)

Ein Leben unter Terrorregimen: Der 1919 in Warschau geborene polnische Jude Mieczysław Weinberg verlor seine Eltern und seine Schwester im Arbeitslager Trawniki. Er selbst war schon vorher über Minsk nach Usbekistan geflohen. Der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs hatte seiner beginnenden Karriere zunächst ein Ende gesetzt. Ab Mitte der 40er-Jahre konnte er sie in seiner neuen Heimat Moskau wieder aufnehmen, und die enge Freundschaft mit Dmitri Schostakowitsch befruchtete sein kompositorisches Schaffen maßgeblich. Ein von elementaren Sorgen freies Leben konnte er dennoch nicht führen: Auch unter kommunistischer Herrschaft geriet Weinberg ins Visier des staatlichen Terrors und hatte, wiederum auch antisemitisch angefeindet, Erhebliches zu erdulden.
Sein beeindruckendes Klavierquintett op. 18 ist ein frühes Werk aus dem Jahr 1944, entstanden kurz nach der Übersiedlung nach Moskau. Die scharf konturierte, vom Neoklassizismus geprägte Musik entfaltet nach lyrischem, gleichwohl nüchternem Beginn schon zur Mitte des ersten Satzes hin die volle Wucht höchst leidenschaftlicher Intensität. Der zweite Satz steigert sich auf Basis seiner lapidaren, zunächst im Unisono der Streicher vorgestellten Thematik zu angsteinflößender Dramatik. Biografische Bezüge sind mehr als nur erahnbar. Mit mächtigen Unisono-Klängen in nackter Quart-Quint-Melodik beginnt auch das an vierter Stelle stehende Largo: Wer hier Entspannung erwartet hatte, sieht sich schnell getäuscht. Insgesamt beeindruckt der tiefe Ernst dieser mitreißenden, oft erschütternden Musik. Das Kuss Quartett mit Olga Scheps wird dieser Ernsthaftigkeit durch die Kraft und Eindringlichkeit seiner in jeder Hinsicht vorbildlichen interpretatorischen Leistung vollauf gerecht. Eine Entdeckung!

Michael Wersin, 11.01.2020



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