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Ludwig van Beethoven

König Stephan op. 117, Leonore Prohaska WoO 96, u. a.

Key Ensemble, Chorus Cathedralis Aboensis, Turku Philharmonic Orchestra, Leif Segerstam

Naxos 8574042
(74 Min., 8/2018–10/2018)

Selbst in Ludwig van Beethovens goldgerahmtem Werk gibt es Ecken, die gerechten Schrecken verbreiten. „König Stephan“ zum Beispiel. Man kennt nur die Ouvertüre. Dahinter versteckt sich eine ausladende, patriotische Schauspielmusik zum Lobpreis der Treue Ungarns zur Doppelmonarchie. Ungeachtet des Textes von Kotzebue: ein zähes Leder. Von etlichen Siegesmärschen und Männerchören wird das nur notdürftig aufgeputzt. Der Schauspieler Claus Obalski („Schulmädchenreport, 11. Teil: Probieren geht über Studieren“) weiß vom ungarischen Nationalheiligen zwar jeden Ruch von Bad Segeberg fernzuhalten. Dennoch stellt sich ein leichter Nimbus von Freilichtspielen ein. Man lernt: Auch Beethoven hatte schwache Tage. Wie schön.
Als Appendix hat Leif Segerstam am Pult seines Turku Philharmonic Orchestra etliche Miszellen, Parerga und Paralipomena angefügt, die man andernorts kaum findet. Da gibt es ein Bundeslied op. 122 und ein Opferlied op. 121b, Chöre wie „Die gute Nachricht“ WoO 94 und „Es ist vollbracht“ WoO 97. Auch den Jägerchor zu Friedrich Dunckers Drama „Leonore Prohaska“ WoO 96 findet man (über eine legendäre Soldatin der Befreiungskriege).
Lobenswert die Textverständlichkeit. Etwas schwächer die Sopran-Solistinnen Reeta Haavisto und Johanna Lehesvuori. Das Orchester, von Segerstam geleitet seit 2012, ist sehr gut in Schuss. Kein Mensch würde beim Anhören darauf kommen, hier Werke des großen Ludwig van B. vor sich zu haben. Ein hübscher Nachweis dessen also, was wir im Jubeljahr nicht wahrhaben wollen: dass Beethoven auch Alltag kannte.

Robert Fraunholzer, 15.02.2020



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