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Hans Werner Henze

Concerto per Contrabbasso ed Orchestra, Serenade, Trauer-Ode u. a.

Daniele Roccato, Ludus Gravis, Orchestra Sinfonica Abruzzese, Tonino Battista

Wergo/Naxos WER73912
(52 Min., 2015, 2017, 2019)

Der ultimative Tieftöner unter den Streichinstrumenten hat bekanntlich seinen festen Platz im Orchester und im Jazz. Trotzdem gibt es gerade in der Neue-Musik-Szene immer wieder Versuche, den Kontrabass als Solo-Instrument salonfähig zu machen. Zu einem der auch fleißigsten Uraufführungsinterpreten ist da der Italiener Daniele Roccato geworden. Und nicht selten hat er selbst einen so kritischen Geist wie Hans Werner Henze mit seinem Spiel gefesselt und erfreut, wie er jetzt im Booklettext berichten kann. Als Roccato mit seinem Ensemble Ludus Gravis nämlich Henze dessen „Trauer-Ode“ in einer Fassung für sechs Kontrabässe vorspielte, soll der bereits schwerkranke Komponist und ewige Genießer ein paar Flaschen formidablen Weißweins spendiert haben. Diese sechsstimmige Version bildet jetzt in einer Weltersteinspielung den Abschluss eines reinen Henze-Programms, bei dem das 1967 uraufgeführte Concerto per Contrabbasso ed Orchestra das Hauptwerk bildet. Und gleich in den ersten Takten, nach einen geheimnisvoll funkelnden Intro, gibt sich Henze als jener Komponist zu erkennen, der sich mit seiner dem radikal expressiven Ausdruck und keinen avantgardistischen Dogmen verpflichteten Tonsprache schon lange aus dem engen Neue-Musik-Zirkel herauskatapultiert hatte. Dementsprechend zieht denn nun der Kontrabass auch „singend“ seine melancholischen Runden – in einer schaurig-schönen Klangwelt, die ihren Ausgangspunkt im Schönbergschen Expressionismus besitzt. Überhaupt zeigt sich der Kontrabass in den hochsensiblen Händen von Daniele Roccato von einer faszinierenden Bandbreite, die vom satten Strom bis zur fragil-nachdenklichen Geste reicht. Und in der „Serenade“, die ursprünglich für Cello geschrieben wurde, klingen sogar leichte Reminiszenzen an Georges Bizets „Carmen“ und Schostakowitsch an! Tief in sich versunken präsentiert sich hingegen der Kontrabass in dem Solo-Stück „San Biagio 9 Agosto ore 12.07“ von 1977 – sowie schließlich sechsstimmig in der berührenden „Trauer-Ode“. Kaum zu glauben, dass Henze dieser Fassung zunächst skeptisch gegenübergestanden haben soll. Aber zu guter Letzt hat er dafür ja dann doch noch und zu Recht seinen Weinkeller etwas geplündert.

Guido Fischer, 07.03.2020



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