Im Bestand des Stuttgarter Landesmuseums Württemberg findet sich ein kleines vergoldetes Bronze-Medaillon, das den 16-jährigen Louis XIV. am wichtigsten Tag seines Leben zeigt. Im Seitenprofil ist er im vollen Krönungsornat zu sehen – samt der Krone auf dem lockigen Haar eines Teenagers, der bis dahin am liebsten getanzt hatte. Doch am 7. Juni 1654 war das schöne Leben endgültig vorbei, denn da wurde er in der Kathedrale zu Reims zum Herrscher des Königreichs Frankreichs gekrönt. Und wie auch zeitgenössische Stiche verraten, fiel die wohl stundenlange Zeremonie nicht nur prächtig und teuer aus – auch die Musik kam nicht zu kurz. Was nun genau gespielt und gesungen wurde, ist nicht bekannt. Aber anscheinend gibt es immer noch ausreichend Dokumente und Unterlagen, anhand derer der französische Barockmusik-Spezialist Sébastien Daucé den Ablauf und die Mischung aus weltlicher und sakraler Musik, aus gregorianischen Gesängen und repräsentativen Instrumentalsätzen rekonstruieren konnte. So spekulativ jetzt die musikhistorische Re-Inszenierung der Krönung von Louis XIV. vielleicht ausgefallen sein mag, so kann man sich ihrer klingenden Pracht, der Erlesenheit der Chorsätze und der Magie der durchchoreographierten Prozessionen nicht entziehen. Im Gegenteil. Der DVD-Konzertmitschnitt aus der Versailler Schlosskapelle ist ein fulminantes Spektakel – dank einer durchweg großartigen Musikerschar, bei der sich auch die für ihr Chiaroscuro-Timbre gefeierte Ausnahme-Mezzosopranistin Lucile Richardot als ohrenweidengleiche Teamsängerin erweist.

Guido Fischer, 25.04.2020



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