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N° 1236
15. - 21.01.2022

nächste Aktualisierung
am 22.01.2022



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Luigi Nono, Joseph Haydn, Gérard Grisey

„Djamila Boupacha“, Sinfonie Nr. 49, „Quatre chants pour franchir le seuil“

Ludwig Orchestra, Barbara Hannigan

Alpha/Note 1 ALP586
(73 Min., 6 & 7/2019)

Dass Barbara Hannigan als Sängerin und auch als Dirigentin am liebsten musikalische Wagnisse abseits alles Gefälligen und Eingängigen eingeht, ist mittlerweile auch auf Tonträger beeindruckend dokumentiert. So trägt denn auch die Werkzusammenstellung ihrer jüngsten CD „La Passione“ ganz ihre Handschrift. Die titelgebende 49. Sinfonie von Joseph Haydn hat Hannigan dafür mit dem Solo-Gesangsstück „Djamila Boupacha“ von Luigi Nono sowie den „Quatre chants pour franchir le seuil“ des Franzosen Gérard Grisey verklammert. Rund zwei Jahrhunderte trennen den Klassiker von den beiden Antipoden der Neuen Musik. Und trotzdem wird allein schon bei dem auf über 14 Minuten ausgeformten, tragisch-düsteren Eingangs-Adagio der Haydn-Sinfonie der Grundgedanke von „La Passione“ überdeutlich.
Alles dreht sich um Vergänglichkeit, um den Tod. Keine leichte Kost also, was einen da erwartet. Zumal vor allem der Italiener Luigi Nono das menschliche Leid und Schicksal immer wieder in heftigsten Klangfarben und wild loderndem Melos zu spiegeln versucht hat. Als einziger beklemmender Schmerzensschrei entpuppt sich denn nun auch Nonos „Djamila Boupacha“, mit dem er 1962 die gleichnamige algerische Widerstandskämpferin würdigte, die eine einmonatige Folter durchstehen musste. Eine unmittelbare Kraft und Wucht besitzt dieses fünfminütige Lamento bei Hannigan, die hier erneut die Musik mit Haut und Haaren zu leben scheint. Auf die nicht weniger seelenstürmische Haydn-Sinfonie, die von Hannigans Ludwig Orchestra zupackend und hochspannungsvoll hingelegt wird, folgt schließlich der 1998 vollendete Vokalzyklus „Quatre chants pour franchir le seuil” von Grisey. Der zu Beginn der 1970er-Jahre für seine mikrofaserfeinen Klanggebilde berühmt gewordene Grisey hat hier Texte aus vier verschiedenen Kulturen (darunter die christlich-jüdische sowie die griechische) vertont, die sich um die Unvermeidbarkeit des Todes drehen. Von gespenstisch schattenhaft und stockend bis hin zu Momenten, in denen Hannigan ihre Sopranstimme fast wie den Himmel anflehende Hände emporrecken lässt, reicht dieses rund 40-minütige Werk, das einem auch als Hörer einiges abverlangt. Doch man hat ja zum Glück Barbara Hannigan zur Seite.

Guido Fischer, 25.04.2020



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