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Hit the Ground Running

Playground4

JazzHausMusik/Galileo MC JHM274
(63 Min., 12/2018)

Die Nil-Lilie (lat. Agapanthus africanus) treibt feine fliederfarbene Blüten, mag die pralle Sonne und gedeiht am besten in Gesellschaft. Wohl nicht ohne Grund beginnt die Debüt-Einspielung des Quartetts Playground4 mit einer Komposition, die der südafrikanischen Pflanze gewidmet ist: Denn ähnlich wie die „Lily of the Nile“ lieben die vier Musikerinnen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz die Wärme und die dichte Kommunikation.
Wobei jede der Beteiligten selbstbewusst eigene Blüten treibt: Die österreichische Schlagwerkerin Ingrid Oberkanins hat einen idiosynkratischen Zugang zu den Drums – ihr Spiel ist von dem Gebrauch von Perkussionsinstrumenten geprägt und dem Verzicht auf eine dominierende Bassdrum. Dadurch wirken ihre Rhythmen stets leichtfüßig und äußerst filigran, zudem sorgt sie mit dem Einsatz der Hang, einer modernen Version der Steeldrum, für eine zusätzliche exotische Note.
Ihre Landsmännin Gina Schwarz verkörpert am Kontrabass das Gegenteil und erweist sich mit ihrer Erdigkeit als perfekte Ergänzung zu Oberkanins. Während die eine die Wurzeln tief in den Boden bohrt, betreibt die andere Photosynthese mit lichtdurchfluteter Energiezufuhr.
Von diesen Nährstoffen profitieren wiederum die Luzerner Pianistin Esther Bächlin und die Darmstädter Flötistin Stephanie Wagner. Wobei auch diese ganz spezielle Gattungsexemplare sind. Beide erweitern ihre Instrumente um eine vokale Komponente.
Während Erstere Melodielinien oder Soli nonverbal singend doppelt, schöpft Letztere aus einem erstaunlichen Arsenal an verschiedenen Beatmungstechniken. Wenn Wagner ihre verschiedenen Flöten nicht an Effektgeräte anschließt, lässt sie sie mal multiphonisch erklingen wie einst Albert Mangelsdorff seine Posaune oder verwandelt sie in eine perkussiv vibrierende Beatbox. Extrem faszinierend!
Um zur Nil-Lilie zurückzukehren: Organisch gewachsen und farbenfroh schillernd sind auch die Kompositionen der Musikerinnen. Sie mögen sich oftmals vor männlichen Kollegen verbeugen – explizit vor Esbjörn Svensson oder Charlie Haden, implizit vor dem Sound von Chick Coreas Album „Return to Forever“ – nötig haben sie das mit ihrem eigenständig blühenden Gemeinsinn jedoch nicht.

Josef Engels, 30.05.2020



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