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Hermeto’s Universe

The Norwegian Wind Ensemble, Steffen Schorn

Paschenrecords/Klassik Center Kassel PR 200070
(85 Min., 2/2018, 10/2018, 11/2019) 2 CDs

Alte Liebe rostet nicht. Seit der Kölner Saxofonist Steffen Schorn 1992 an vier Konzerten mit der Band von Hermeto Pascoal mitwirkte, lässt ihn die Musik des brasilianischen Grenzüberschreiters nicht mehr los. Er habe seitdem „keine ähnliche Energie mehr gespürt“, sagt er. „Ich trage den Sound in mir.“ Jahrelang hat er davon geträumt, die Musik für ein größeres Ensemble zu arrangieren, und zweimal hat er dies umgesetzt: 2009 für die hr-Bigband und 2018 für „Det Norske Blåseensemble“, mit dem er bereits die kammermusikalischen Alben „Tiefenträume“ und „Universe Of Possibilities“ eingespielt hat.
Bei beiden Programmen hatte Schorn dem „Norwegian Wind Ensembles“, wie es sich für den ausländischen Markt nennt, eigene Kompositionen auf die Pulte gelegt. Für „Hermeto’s Universe“ formte er sechzehn Kompositionen des Brasilianers grundlegend um – schließlich standen ihm nicht nur eine kleine „Grupo“ sondern fünfundzwanzig Musikerinnen und Musiker zur Verfügung. Der größte Einschnitt: Schorn verzichtete auf ein Klavier als Harmonieinstrument und übertrug dessen strukturgebende Funktion völlig auf die Bläser. Dadurch gewinnen Pascoals Kompositionen an Klangtiefe und Farbenpracht.
An die 8000 Stücke hat Hermeto Pascoal geschrieben, vom Folk-nahen Popsong bis zu anspruchsvoller Unterhaltungsmusik an der Grenze zu Jazz, Free Jazz, spontanen Improvisationen und auskomponierter oder im Ensemble erarbeiteter Kammermusik. Schorns Auswahl greift diese verschiedenen Facetten auf, wobei er sich von allen Klischees der Genres fernhält und auf vielschichtige, ausgefeilte Klänge setzt. Zwischendurch gönnt er sich auch ein Solo auf dem Baritonsaxofon oder dem Basstubax und sieht für seinen langjährigen musikalischen Partner Roger Hanschel Alt- und Sopran- sowie Mezzosopransaxofonsoli vor. Beide erheben sich nicht über das norwegische Ensemble; stattdessen bleiben sie integraler Bestandteil des Klangkörpers.
Wogende und fließende Melodien, knappe Impressionen und Schwelgereien, vertrackte und ganz einfache Rhythmen, Klangseligkeit und Überraschungen prägen die zwei CDs. Schorn macht sich hörbar einen Spaß daraus, die ausgefeilten Arrangements locker und duftig klingen zu lassen. Einige Stücke, die Hermeto Pascoal zu hören bekam, hat dieser per Overdub noch um kurze eigene Einsprengsel ergänzt. Dadurch sind in der Kollektivimprovisation „Risada De Felicidade“ ausnahmsweise auch ein präpariertes Klavier, Schritte und Pascoals Stimme zu hören. Das Album ist mehr als ein übliche Hommage. Es zeugt von musikalischer Seelenverwandtschaft.

Werner Stiefele, 06.06.2020



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