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Ayanna Witter, Ewan Campbell, Alex Roth, Sasha Siem, Benjamin Ashby, Joanna Lee u. a.

„The Panufnik Legacies III“ (Orchesterwerke)

London Symphony Orchestra, Franҫois-Xavier Roth

LSO live/Note 1 LSO5092
(68 Min., 4/2019)

Franҫois-Xavier Roth ist einfach ein begnadeter Allrounder. Gerade erst hat Monsieur mit seinem Originalklang-Orchester Les Siècles eine sensationell durchgeputzte, vollkommen neue Klangfarben präsentierende Aufnahme von Mussorgskis „Bilder einer Ausstellung“ vorgelegt. Und nun ist er in seiner Funktion als 1. Gastdirigent des London Symphony Orchestra einmal mehr als äußerst versierter, undogmatischer Anwalt der zeitgenössischen Musik zu erleben. Zum dritten Mal legt Roth Orchesterstücke vor, die vielversprechende sowie arrivierte Komponisten und Komponistinnen aus Großbritannien im Auftrag des „Panufnik“-Förderprogramms geschrieben haben. Seit 2005 existiert dieses vorbildliche Projekt, das nach dem Komponisten Andrzej Panufnik benannt ist. Mittlerweile rund 100 Stücke mit einer Spieldauer von zumeist um die fünf, sechs Minuten sind inzwischen für das London Symphony Orchestra entstanden.
Die nun aus verschiedenen Jahrgängen zusammengestellten zwölf Werke stammen von Komponisten mit den unterschiedlichsten musikalischen Wurzeln. Donghoon Shin wurde in Südkorea geboren. Ayanna Witter bewegt sich zwischen Klassik und R&B. Und während Cevanne Hooropcks-Hopayian mit dem renommierten „British Composer Award for Jazz“ gewürdigt wurde, hat Benjamin Ashby ordentlich am altehrwürdigen Royal College of Music bei Mark-Anthony Turnage studiert. Diese musikalische Vielsprachigkeit, die auch ihre Kollegen und Kolleginnen auszeichnet, spiegelt sich jedoch nur dezent wider. Und dies ist genau das Verblüffende: Abseits des postmodernen und damit auf Publikumswirksamkeit ausgerichteten Spiels mit Stilen und Moden, zu dem sich auf dem europäischen Festland und in den USA gleichaltrige Komponisten gerne versteigen, besitzen die jetzt zu hörenden Orchesterwerke nämlich allesamt eine ungemeine Dichte im Ausdruck bei gleichzeitiger sinnlicher Ansprache. Wie ein sanft atmender Organismus gibt sich da das London Symphony Orchestra in Patrick Giguères „Revealing“, das gleichsam wie eine Hommage an den amerikanischen Slow Motion-Zauberer Morton Feldman wirkt. Als eine burlesk auf links gedrehte, neo-barocke Intrada lässt Cevanne Hooropcks-Hopayian ihr Scherzo „A Dancing Place“ aufmarschieren. Prickelnde Spannung besitzt Donghoon Shins „In this Valley of Dying Stars“. Und über Michael Taplins ins Dunkle ziehende „Ebbing Tides” landet man schließlich bei Joanna Lees Hoch auf dem Ghettoblaster, der bekanntlich in keine Hosentasche, sondern nur auf die Schulter passte.

Guido Fischer, 18.07.2020



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