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Franz Schubert

Sonaten I (Klavier-Sonaten Nr. 1, 9, 13, 14 und 21)

William Youn

Sony 19439784142
(121 Min., 3 & 12/2019) 2 CDs

Der aktuelle Trend geht zur Doppel-CD – zum Preis von einer. Bei derart rascher und preiswerter Gangart wird der koreanische, in Deutschland lebende Pianist William Youn rasch fertig werden mit seinem integralen Schubert-Parcours. Mit leisen Fingern und hold weichem Anschlag beginnt er die große B-Dur-Sonate D.960. Er verzärtelt. Auf dem Klavier singen wollen heutige Pianisten anscheinend nicht mehr (oder können es nicht?!). Stattdessen wird die Textur aufgeweicht. Das Toastbrot, mit Verlaub, labbert.
Versonnener, besonnter als hier klang noch kein Schubert-Scherzo. So sehr, dass mit dem Witz auch jeder dunkle Untergrund, alle Lebenslast ausgetilgt erscheint. Dieser Schubert kennt keinen Grund, seinen Kummer im Wein oder gar in öffentlichen Heurigenlokalen zu ertränken.
In der Sonate Nr. 1 weht ein schön romantischer Sinn des zielfreien Vagabundierens, ein Hauch von Taugenichts durch die Auen. Romantische Blaublumigkeit, wenn auch auf der Grenze zur Blauäugigkeit. Gelegentlich erreichen traumschön wärmende Lichtstrahlen den sonst kühlen Waldboden. Da zeigt sich Youn als sehr guter Atmosphäriker.
Im Kopfsatz der A-Dur-Sonate wirft er mit Liebesperlen. Der Satz indes dauert 12 Minuten, wer möchte sich so lange mit Zuckerzeug bewerfen lassen?! Zu selten trübt ein Schlafzimmerblick die Stimmung. Die Schönheit des (vom Pianisten komplettieren) 1. Satzes der fis-Moll-Sonate Nr. 9 klingt weltverloren, dennoch beschirmt. Respekt davor, dass Youn die Haltung eines beständigen Rehblicks konsequent durchzuhalten und durchzugestalten weiß.
All das nämlich, immerhin, kreiert eine Radikalität eigener Art. Den Vorwurf der Meinungslosigkeit kann man diesem Zyklus-Beginn nicht machen. Dies ist Schubert als Idylliker. Wenn nicht als Laubenpieper.

Robert Fraunholzer, 05.09.2020



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