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Franz Liszt, Sigismond Thalberg

Operntranskriptionen und Fantasien (Hexaméron, Ernani u. a.)

Marc-André Hamelin

Hyperion/Note 1 CDA68320
(75 Min., 5/2019)

Am Vorabend des 31. März 1837 war das musikalische Paris in Aufruhr. Im Hause der italienischen Fürstin Belgiojoso stand ein wahres Tasten-Battle bevor – mit den beiden Gladiatoren Franz Liszt und Sigismund Thalberg. Und danach gab die Hausherrin den berühmten Satz zu Protokoll: „Thalberg ist der erste Pianist der Welt. Liszt – das ist der einzige.“ Dass es zu diesem Duell überhaupt kam, lag an einer ungewöhnlichen Gemeinschaftskomposition, die eigentlich an jenem Abend uraufgeführt werden sollte. Für das Benefizkonzert hatte Fürstin Belgiojoso sechs Pianisten beauftragt, zusammen ein Variationswerk über den „Marsch“ aus Bellinis Oper „I Puritani“ zu schreiben. Liszt koordinierte dieses Projekt – und verband die Beiträge von Thalberg, Johann Peter Pixis, Henri Herz, Carl Czerny und Frédéric Chopin zusammen mit seinen eigenen zu dem „Morceau de Concert“ „Hexaméron”. Mit diesem spektakulär alle pyrotechnischen Register des romantischen Virtuosentums ziehenden Kollektivstück läutet nun Marc-André Hamelin sein Solo-Album ein, das sich ganz der damals beliebten Mode der Opern-Paraphrase widmet. Und so folgen auf das von Liszt als „Monstrum“ titulierte „Hexaméron“ jeweils zwei Paraphrasen bzw. Fantasien von Liszt und Thalberg. Von Liszt hat Hamelin die Konzertparaphrase über Giuseppe Verdis „Ernani“ sowie die „Réminiscences de Norma“ nach Bellini ausgesucht. Von Thalberg erklingen die „Garnde fantasie sur des motifs de Don Pasquale“ sowie die „Fantaisie sur des thèmes de Moïse“ (nach Rossini). Dieses Repertoire ist natürlich wie für Hamelin gemacht. Wie von mindestens zwei Geisterhänden gespielt, betören diese mit sämtlichen Höchstschwierigkeiten gespickten, nicht nur von Oktavenstürmen geschüttelten Bravour-Stücke nämlich auch mit all ihrem Parfüm und Melos. Hätte Hamelin damals gelebt, er hätte unter Garantie ebenfalls eine Einladung in den Salon der klaviervernarrten Fürstin Belgiojoso erhalten.

Guido Fischer, 12.09.2020



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