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N° 1223
16. - 22.10.2021

nächste Aktualisierung
am 23.10.2021



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Georg Friedrich Händel

Apollo und Daphne, Silete venti

Karina Gauvin, Russell Braun, Les Violons du Roy, Bernard Labadie

Dorian/In-Akustik CD-90288
(68 Min., 2/2000) 1 CD

"Welche Stimme, welche Schönheit", singt Apollo, als er Daphne hört, und er hat Recht. Wenn Karina Gauvin der scheuen Nymphe ihre Stimme leiht, muss man sich in sie verlieben. Wie viel Leichtigkeit ist da, wie viel Beweglichkeit, Sinn für intelligente Deklamation, Nuancenreichtum und Wärme! Leider will Russell Braun, der mit einem kräftigen, aber doch noblen Bariton ausgestattet ist, in dieser Aufnahme kein Gott sein. Doch das müsste er, wollte er nur eine kleine Chance bei der Schönen haben.
Natürlich möchte Apollo schnell zur Sache kommen, gibt sich kriegerisch und siegesgewiss. Aber mir scheint er auch ein eleganter und witziger Kerl zu sein, der sich seiner Kraft mehr bewusst ist, als dass er sie zur Schau stellen müsste. Doch Brauns Apoll ist ein Kraftpaket, das seine Spitzentöne allzu menschlich herausschreit und sich spreizt, bis die Koloraturen leicht zu schlackern beginnen. Und wenn er sanft tut, dann wirkt es wieder allzu hauchig, künstlich zurückgenommen, als hätte er Kreide gefressen. Nun, immerhin umso plausibler, dass sich Daphne da in einen Lorbeerbaum verwandelt.
Uns bleiben zum Trost die ersten fünfundwanzig Minuten: Da ist die Gauvin in der frühen Motette "Sileti venti" zu ihrem ganzen Vorteil allein mit den Violons du Roy zu hören. Erfahrene "Handelians" werden auch bei diesem Stück das Vergnügen haben, ein paar Melodien zu begegnen, die der Meister später weiterverwurstet hat - dabei klingen sie bereits hier so frisch und präzise formuliert, als könne man an ihnen nichts mehr verbessern.
Die Wette, ob Labadies Ensemble mit dem altertümelnden Ypsilon im Namen auf Originalinstrumenten spielt, gewinnen Sie übrigens immer: die Instrumente sind modern, aber die Streicherbögen historisch. Die Spielweise der Kanadier ist jedoch nicht nur historisch informiert, sondern steht an sprechender Phrasierung und Schwung keiner Spezialisten-Combo der Alten Musik nach.

Carsten Niemann, 24.05.2001



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