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N° 1229
27.11. - 03.12.2021

nächste Aktualisierung
am 04.12.2021



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Der Baum vor meinem Fenster

Susan Weinert Rainbow Trio

Tough Tone/Edel 1023092TTO
(52 Min., 2019)

Als Susan Weinert in den späten 1980ern die Bühne der Jazzclubs im In- und Ausland betrat, war das Erstaunen groß: Da fegte eine zarte Frau, die eigentlich gelernte Zahnarzthelferin war, über das Griffbrett ihrer elektrischen Gitarre wie ihre Vorbilder Alan Holdsworth oder Mike Stern.
Spätestens mit der Duo-Einspielung „Synergy“ an der Seite ihres Ehemanns und lebenslangen Bassbegleiters Martin Weinert zeigte die Saarländerin 2002, dass ihre Vorstellung von Fusionjazz in vielen, auch gedeckten Farben schillert und nicht nur elektrisch grell sein muss. Ein Klangideal der Ruhe und subtilen Stimmungsmalerei, das mit dem 2018 gegründeten Rainbow Trio seine perfekte Umsetzung fand.
„Der Baum vor meinem Fenster“, im Sommer 2019 im ECM-Hausstudio La Buissonne in der Provence aufgenommen, zeigt Susan Weinert an der akustischen Gitarre, Sebastian Voltz am Flügel und Martin Weinert am Kontrabass im entspannten, aufmerksamen Austausch.
Lichtdurchflutet, auf eine gelassene Art heiter wirken die Stücke aus der Feder der Bandleaderin. Da wäre etwa das detailreiche „Trust Yourself“ mit seinen Themenwendungen und -windungen und einer gewissen Funkiness, „Karl“ mit seiner Verspieltheit oder der Albumbeginn „Herbstwind“, für dessen Melodien Pat Metheny wohl sein Haupthaar hergeben würde.
Der Kammerjazz des Rainbow Trios kann aber auch folkloristische Formen annehmen wie in dem gestrichenen, einem Volkslied ähnelnden Kontrabassmotiv in „A Long Winterday“, die Klänge des Dschungels nachahmen wie in dem von Pianist Voltz geschriebenen „Congo Tales“ oder einen leichten Touch von Bossa-Melancholie haben wie in der Titelnummer „Der Baum vor meinem Fenster“.
Was die Stücke verbindet sind die sorgsam aufgebauten Kompositionsstrukturen und Soli der Gitarristin, die einem ganz eigenen logischen Fluss folgen, nichts überstürzen und regelrecht atmen. Hier und da fügt Susan Weinert ihrer akustischen Gitarre etwas Synthesizer-Feenstaub hinzu, ohne jedoch den Naturklang des Instruments verschwinden zu lassen. Hier stimmt alles.
Vor dem Hintergrund dieses ein Gefühl großer Zuversicht vermittelnden Albums ist es umso schmerzlicher, dass es das letzte von Susan Weinert ist. Die Gitarristin verstarb am 2. März 2020 an einer Krebserkrankung. Sie wird als eine der unverwechselbaren Jazzstimmen aus Deutschland fehlen.

Josef Engels, 31.10.2020



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