„Geht nicht, gibtʼs nicht“ – unter diesem Motto firmierte Franz Liszt bekanntlich nicht nur als hauptamtlicher Klavierlöwe. Auch mit seinen Klaviertranskriptionen von Verdi-Schlagern, Schubert-Liedern oder gleich ganzen Beethoven-Sinfonien hinterließ er für die nachfolgenden Pianistengenerationen Stücke im Höchstschwierigkeitsbereich. Wie aber jetzt der vor allem für sein Beethoven-Spiel vielfach ausgezeichnete Pianist Hinrichs Alpers im Booklet seiner Gesamteinspielung der von Liszt bearbeiteten Beethoven-Sinfonien verrät, schien Liszt bei der Neunten an seine Grenzen gestoßen zu sein. So fehlte ihm zunächst die Fantasie, wie man mit nur zwei Klavierhänden das komplette Finale mit all seinen Orchester-, Chor- und Solistenstimmen inszenieren soll. Sein Verleger kam immerhin auf die Idee, die Vokalstimmen in die Partitur drucken zu lassen, um so den Pianisten zur nötigen Klangopulenz zu animieren. Hinrichs Alpers schien diese Lösung jedoch wenig zufriedenstellend. Und so hat er die entsprechenden Partiturstellen mit Leben füllen lassen und dafür den RIAS Kammerchor unter Justin Doyle sowie ein beachtliches Solistenquartett gewinnen können. Der Aufwand hat sich gelohnt: Auch wenn man – wie bei allen anderen acht Sinfonien – bei der Introduktion des Finalsatzes zunächst etwas reflexhaft irritiert darauf reagiert, dass hier kein Orchester aufspielt, entwickelt sich doch daraus schon bald ein Drive und eine Tonfülle, die begeistert. Was eben auch an der Multi-Fingerfertigkeit liegt, mit der Alpers – pars pro toto – farbenfroh zulangt und auch all die Verästelungen hörbar macht, die es in Liszts kongenialen Rekreationen gleichermaßen zuhauf zu entdecken gibt.

Guido Fischer, 05.12.2020



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