Das Adelsprädikat dieser Aufnahme findet sich gleich vorne auf dem Cover: "Weltersteinspielung“ heißt es, und das ist auch so ziemlich das Einzige, womit sich die CD schmücken kann. Unter den Sängern dominiert gediegenes Mittelmaß: Ann Monoyios wirkt in der Höhe leicht etwas belegt, Vasiljka Jezovšek legt allzu wenig Charakter in ihre Stimme und Rolle, Jörg Hering bleibt gänzlich konturlos und selbst der Sopranist (!) Jörg Waschinski überzeugt nicht ganz, weil er zu viel tremoliert und weil ihn schnelle Koloraturen wie auch große Intervallsprünge aufwärts hörbar anstrengen.
Immerhin wartet die Cappella Coloniensis unter Bruno Weils Leitung mit eben jener leichtfüßigen Gelenkigkeit und jener Grazilität in der Farbgebung auf, wie sie unter historisch orientierten Ensembles mittlerweile zum guten Ton gehört. Die delikaten solistischen Bläser-Ingredienzien, die Johann Christian Bachs „Endimione“ auf oft geradezu verschwenderische Weise einstreut, betreut die Kölner historische Abteilung des WDR-Rundfunkorchesters mit Kunst und Hingabe.
Womit wir beim Werk selbst angekommen wären. Und diese pastorale Serenata ist tatsächlich ein konzentriertes Zuhören wert. Dafür sorgt nicht allein die geschichtliche Stellung des unterhaltenden Spiels um zwei mal zwei Männer und Frauen, aus dem - wer sonst? - der Gott Amor als Sieger hervorgeht. Nein: Neben der Erkenntnis, dass sich Johann Christian Bach um die tradierten Formen von Rezitativ und Arie große Verdienste erwarb, indem er ihr Ausdrucksspektrum erweiterte, bietet das Stück auch instrumentatorische Feinheiten für Genießer und musikalische Einfälle für Gourmets des Melos. Wir harren geduldig seiner zweiten Auflage.

Susanne Benda, 01.12.1999



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