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Josquin Desprez

Septiesme Livre de Chanson

Ensemble Clement Janequin, Dominique Visse

Ricercar/Note 1 RIC423
(61 Min., 2/2020)

Seit einer halben Ewigkeit zählt Dominique Visse zu den countertenoralen Charakterköpfen. Was nicht nur an seiner oftmals grellleuchtenden Stimme liegt, die aus dem Gesamtgefüge seines Ensembles Clement Janequin laserstrahlartig herausschnellt. Zu den musikalischen Leidenschaften des Franzosen gehört bis heute der weltliche Gesangsstoff aus der Renaissance mit all seinen auch komödiantischen und erotischen Nuancen. Wenig erstaunlich ist daher auch, dass Visse jetzt an den 500. Todestag von Josquin Desprez nicht mit einem seiner Kirchenwunderwerke erinnert, sondern mit säkularen Chansons und Motetten. Die 19 Vokal-, aber auch Instrumentalstücke stammen aus dem „Septiesme Livre de Chansons“, das 1545 und damit 21 Jahre nach dem Tod von Josquin in Antwerpen veröffentlicht wurde. Der Bogen reicht dabei von liebestrauertrunkenen Elegien des kontrapunktischen Ausdrucksmusikers bis hin zu beschwingten Klagegesängen etwa über den dauergeplünderten Geldbeutel. Und wie berühmt Josquin bereits zu Lebzeiten war, spiegeln die Lauteneinrichtungen seines Chansons „Plus nulz regretz“ durch Luis de Narváez sowie Hans Newsidler wider. Ganz zum Schluss dieses so kostbaren wie unterhaltsamen Programms erklingt mit „Nymphes des Bois“ sodann ein Abschiedsgesang von Josquin auf sein Idol Johannes Ockeghem. Und mit einer Textzeile richtete er sich da auch an die Sänger: „Wechselt eure Stimmen, dass sie sehr klar und eindringlich klingen.“ Dominique Visse und sein siebenköpfiges Ensemble haben das hier auf wundersame Weise befolgt.

Guido Fischer, 17.04.2021



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