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N° 1229
27.11. - 03.12.2021

nächste Aktualisierung
am 04.12.2021



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Johann Christian Bach, Carl Philipp Emanuel Bach

Sinfonien und Konzerte

Raphael Alpermann, Christoph Huntgeburth, Akademie für Alte Musik Berlin, Stefan Mai

helikon harmonia mundi HMC 901803
(55 Min., 10/2002) 1 CD

Ein spannend janusköpfiges Produkt, das uns die Akademie für Alte Musik hier präsentiert: Gegenübergestellt werden die beiden berühmtesten Söhne Johann Sebastian Bachs: Johann Christian, der jüngere und angeblich glattere mit den Sinfonien Es-Dur und g-Moll op. 6 sowie dem Cembalokonzert in B-Dur op. 13/4, und sein älterer (Halb-)Bruder Carl Philipp Emanuel, der als der exzentrischere, traditionsbewusstere, aber dabei innovativere Komponist gilt, mit einem frühen Flötenkonzert in d-Moll Wq 22. Am Ende stimmt von diesen Zuschreibungen gar nichts mehr. Gerade Johann Christian Bachs Werke begreifen die Musiker als höchst expressive, experimentelle Musik: da knallen die Sforzati, zünden die Mannheimer Raketen oder wird ein gefälliger Pizzicatosatz mit dicht am Steg schabenden Geigen oder Violen zum Geisterstück umgedeutet. Fast scheint es, als solle Carl Philipp Emanuel, der seinen Bruder als Leichtgewicht verspottete, hier polemisch mit eigenen Mitteln geschlagen werden: sein durchaus leidenschaftliches (und von Christoph Huntgeburth vorbildlich delikat phrasiertes) Flötenkonzert kommt nach all diesen entfesselten Sturm-und-Drang-Attitüden vergleichsweise Affekt beruhigend daher. Auf Dauer nimmt man Johann Christian die aufrührerische Pose allerdings nur in der ohnehin exzeptionell düsteren g-Moll Sinfonie ab: sie entfaltet hier die tragische Wucht einer Gluck'schen Ouvertüre. In allen anderen Sätzen gibt es dagegen immer einen Moment, wo die Musiker übers Ziel hinauszuschießen beginnen: so etwa dann, wenn allzu knackige Tuttieinwürfe im Kontrabass rumpelig werden, oder sich das noble Cembalo nicht mehr gegen die ungewohnt aufsässigen und vielleicht auch zu stark besetzten Streicher und Hörner durchsetzt. Letztlich aber werden die interpretatorische Polemik und der neu vom Zaune gebrochene Streit im Hause Bach Leben in die Aufführungspraxis von Musik der beiden Brüder bringen - von dem sogar lachende Dritte profitieren können.

Carsten Niemann, 01.12.1999



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