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N° 1291
04. - 10.02.2023

nächste Aktualisierung
am 11.02.2023



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Kinfolk 2: See the Birds

Nate Smith

Edition/The Orchard-Bertus-Membran EDN1184
(46 Min., k.A.)

Der 1974 in Chesapeake, Virginia, geborene Schlagzeuger Nate Smith sagt über seine zweite Einspielung unter eigenem Namen, dass sie mit dem „Enthusiasmus und der Inbrunst einer Teenager-Garagenband“, eingespielt worden sei. Und genauso klingen auch Stücke wie „Street Lamp“ oder „Rambo: The Vigilante“, die den rockig-aufgebrachten Teen Spirit von Bands wie Nirvana oder Rage Against the Machine wachrufen. Wobei in Person von Living-Colour-Gitarrist Vernon Reid tatsächlich ein leibhaftiger Held der späten 1980er Jahre mit von der Partie ist.
Denn wie schon beim Vorgänger „Postcards from Everywhere“ erweitert Smith sein fusionjazzig mit Sax, Gitarre, E-Piano und E-Bass besetztes Basis-Quintett um eine Vielzahl an Gästen. Was dazu führt, dass die Erinnerungsarbeit des ohnehin extrem flexibel spielenden und komponierenden Schlagwerkers keineswegs zu einer verschnarchten Ü-40-Party wird. Da wären etwa Youngster wie Sänger Michael Mayo oder Vibrafonist Joel Ross, die der Auftaktnummer „Altitude“ im Verbund mit Smiths treibend swingenden Drums einen geradezu hymnischen Gestus verpassen und das Titelstück „See the Birds“ zu einer lässig-zeitgenössischen Angelegenheit machen.
„Square Wheel“ wiederum zeichnet sich durch unerwartete Kontraste zwischen Alt und Jung aus – dort trifft der energische Sprechgesang des Washingtoner Rap-Urgesteins Kokayi auf den sanften Optimismus von Mayos Vocals, und nach diversen Stimmungs-, Tempo- und Taktartenwechseln schält sich aus einem scharfkantigen M-Base-Funk-Groove ein rasantes Saxsolo von Jaleel Shaw heraus.
Wie es sich für ein Kind der Postmoderne gehört, liebt Smith nun mal Stil-Collagen. Da verwandelt sich ein Danse Macabre mit der Geigerin Regina Carter sanft in einen kernigen Gruß an die Jazzrock-Pioniere Return to Forever, und Stings „I Burn for You“, gesungen von Amma Whatt, offenbart eine gewisse Progrock-Verwandtschaft. Menschen, die um die 50 sind, dürften sich da an die Platte „Bring On the Night“ erinnert fühlen und die unglaubliche Musikalität, die Branford Marsalis, Kenny Kirkland und Omar Hakim damals an der Seite des britischen Popstars an den Tag legten.
Trotz der unzähligen Verweise auf seine Zeit als Heranwachsender gelingt es Smith bis zu dem von Brittany Howard hinreißend geknurrten Old-School-Soul-Rausschmeißer „Fly (For Mike)“, erfolgreich jede Art von Sentimentalität und geistiger Hüftsteife aus seinem Spiel zu verbannen. Wohl dem, der sich eine solche jugendliche Unbeschwertheit bewahrt hat!

Josef Engels, 04.12.2021



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