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N° 1260
02. - 08.07.2022

nächste Aktualisierung
am 09.07.2022



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„Deeper“

Bleu

Traumton-Indigo/375 Media 05207692
(42 Min., k.A.)

Der österreichische Trompeter Lorenz Raab hat ein Faible für ungewöhnliche Instrumentenkombinationen. Das gilt etwa für sein Duo mit dem E-Zitherspieler Christof Dienz, das 2019 das großartige Album „Vast Potential“ herausbrachte, und das trifft erst recht auf das Trio Bleu zu. An der Seite, sowie unter und über Raabs Flügelhorn sind eine Tuba und eine elektrische Dulcimer-Zither zu vernehmen (beides gespielt von Ali Angerer), die von Rainer Deixlers unorthodoxem, auf filigranste Beckenarbeit Wert legendem Schlagzeugspiel zum Kommunizieren gebracht werden. Zudem bedient Raab noch ein Harmonium.
Auf seinem mittlerweile fünften Album nach dem im Jahr 2001 erschienen Erstling macht das Dreiergespann seinem Namen alle Ehre. Blaue Stunde, Blues, blasses Himmelblau – all das schwingt mit, wenn Raab, Angerer und Deixler ganz behutsam ihre Geschichten erzählen. Und die klingen keineswegs so alpenländisch oder hinterwäldlerisch-frömmelnd, wie es das Nebeneinander von Flügelhorn und Tuba oder Dulcimer und dem als Kirchenorgel-Ersatz beliebten Harmonium zunächst nahelegen könnte.
Das Trio schafft sich vielmehr seine eigenen Klangräume, in denen seine Kompositionen die Wärme eines knisternden Kaminfeuers entfachen. Harmonium und Dulcimer werden dabei unter geschicktem Einsatz von elektronischen Effekten oft als weicher Teppich für Drones und Soundscapes genutzt. Vor allem Angerers Tuba hat nichts mit schwerfälliger Blasmusik am postmodernen Tirolerhut, sondern zeigt die Flexibilität eines E-Basses. Dadurch streifen die Stücke durch Gefilde, die eher in den USA zu liegen scheinen als in Austria. „Deeper I“ hört sich beispielsweise an wie der Abspann eines Roadmovies, während das poppige „Warm Eyes II“ durchaus in der gleichen Session entstanden sein könnte, als Princes „Nothing Compares 2 U“ schrieb. „Gently Done“, in dem Flügelhorn und Tuba sachte die Töne übereinanderlegen wie die Stoffbahnen eines kostbaren mittelalterlichen Brokats, wäre mit einigem Recht ein mindestens so passender Albumtitel wie „Deeper“ gewesen. So oder so ist dem Trio mit der fünften Einspielung sein persönliches „Kind of Bleu“ gelungen.

Josef Engels, 18.12.2021



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