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N° 1272
24. - 30.09.2022

nächste Aktualisierung
am 01.10.2022



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„Louise“

Emile Parisien

ACT/Edel 1099432ACT
(50 Min., 6/2021)

Auf seinem Instrument kann er regelrecht explodieren, aber als Album-Konzeptionist ist der französische Sopransaxofon-Star Emile Parisien durchaus subtil: Ohne es plakativ herauszuschreien, ist Elternschaft das große verbindende Thema von „Louise“, seiner Einspielung mit einem handverlesenen transatlantischen Sextett.
So beziehen sich der Albumtitel und die vibrierend-erwartungsvolle Auftaktnummer sowohl auf Parisiens unlängst geborene Tochter wie auf die Bildhauerin Louise Joséphine Bourgeois, die vor allem durch ihre „Maman“-Spinnenskulpturen berühmt wurde. Seiner eigenen Mutter hat Parisien die ausgesprochen abwechslungsreiche Suite „Memento“ gewidmet, die im Zentrum der Aufnahme steht und in ihrem beständigen Gestaltungswandel von Klagelied über handgemachten Electro-Beats bis hin zu unerwarteten Unisono-Backpfeifen auf eine recht temperamentvolle Person schließen lässt.
Und nicht zuletzt handelt es sich bei „Louise“ auch um einen Liebesgruß an das Mutterland des Jazz. Mit der Hinzunahme der US-Musiker Theo Croker (Trompete), Joel Martin (Bass) und Nasheet Waits (Drums) gewinnt Parisiens Musik eine enorme zusätzliche Schärfe und Dichte. Wobei sich die drei Amerikaner auch voll auf die leichtfüßigen Finessen der europäischen Musiker (Roberto Negro am Klavier, Manu Codjia an der für viel zusätzliche Würze sorgenden Gitarre) einlassen – etwa in Codjias verspieltem „Jungle Jig“ oder in Parisiens freudig torkelndem „Jojo“, das Joachim Kühn zugeeignet ist und viel von Ornette Coleman hat. Womit denn auch den Einflüssen väterlicher Mentoren Rechnung getragen wird – ähnlich wie mit der fiebrig-flirrenden Interpretation von Joe Zawinuls „Madagascar“, in dessen „Syndicate“-Tribut-Band Parisien Mitglied war.
Der zutiefst brüderliche Geist von Parisiens europäisch-amerikanischen Sextetts manifestiert sich am eindrücklichsten im Zusammenspiel von Sopransaxofon und Trompete. Die beiden Instrumente verschmelzen in ihren Themenvorträgen derart, dass man beinahe eine einzige Person zu hören meint. Das ist eine Qualität, die besonders in Crokers Ballade „Prayer 4 Peace“ zum Tragen kommt, die die Aufnahme beschließt. Die Bläser beten still und ruhig gemeinsam, während um sie herum das Chaos tobt. Eindringlicher lässt sich die tiefe Sehnsucht nach Frieden nicht artikulieren.

Josef Engels, 12.03.2022



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