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N° 1272
24. - 30.09.2022

nächste Aktualisierung
am 01.10.2022



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„Semi Song“

Jürgen Friedrich, Large Ensemble

nWog Records/Edel 1050714NWO
(67 Min., 5/2021)

Was ist „Semi Song“? Ein halber Song? Oder so etwas wie ein Song und doch keiner? Songs orientieren sich an Strophen, folgen einer mehr oder weniger festen Liedform – und das machen die „Semi Songs“ von Jürgen Friedrich nur manchmal. Eher verbinden sie sein Faible für Melodien, die er in eine facettenreiche Umgebung bettet und diese – ähnlich wie Sinfoniker und Kammermusiker in der sogenannten E-Musik – auf eine längere Entwicklungsreise schickt. Die führen nicht nur in Wohlklang, sondern auch – unter anderem in „Morpheus“ – in vorbereitete Bereiche, in denen Erinnerungen an die Zeiten des Free Jazz wach werden.
Stimme und Bassflöte prägen die Einleitung zu „Ritus“. Was mystisch begann, führt über tanzselige Momente zu kontemplativen Bereichen, einer längeren von Shannon Barnetts Posaune geprägten Passage bis zu einem dezent bewegten Schluss. So entfesselt, wie es der Titel andeutet, agiert das Ensemble in „Unleash“ keinesfalls. Im Gegenteil: Auf Klangtupfer des Kontrabassisten David Helms folgt eine zurückhaltende, sphärisch anmutende, von Elektronik und Bläsern geprägte Passage, die schließlich dezent zu swingen beginnt. Jedes der acht Stücke vereint mehrere Ebenen in sich, wobei Friedrich einerseits vielschichtige Tutti schreibt und andererseits Strukturen für sehr freie, jedoch keinesfalls beliebige Improvisationen anbietet, die zudem in andere Richtungen führen, als man sie im Üblichen erwarten würde.
Mit fünf Saxofonen und Klarinetten, vier Trompeten und Flügelhörnern, vier Posaunen und dreiköpfiger Rhythmusgruppe ist sein sechzehnköpfiges „Large Ensemble“ üppig besetzt, zumal als Dritt- oder Viertinstrument einiger Mitlieder auch noch Electronics, Flöten und Tuba sowie Steffen Schorns ganz persönliches Equipment mit mehreren Mitgliedern der Saxofonfamilie sowie Kontraaltklarinette und Tubax hinzukommen. Zum humorvollen Umgang mit fehlgeleiteten Erwartungen passt, dass ein „Loop“ genannter Zweieinhalbminüter das Album abschließt.

Werner Stiefele, 21.05.2022



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