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Paul Hindemith

Musik für Hornquartett

Leipziger Hornquartett

Capriccio/Delta 10898
(64 Min., 6/2000) 1 CD

In der Beschränkung liegt oft der größte Reiz. Musik für vier Hörner hat naturgemäß weit weniger Klangfarben zu bieten als ein Streichquartett, und das Horn trägt eben noch immer den klanglichen Symbolcharakter eines Jagdinstruments. Einige Komponisten, die auf dieser CD mit Hornquartetten repräsentiert sind, machen aus dieser naheliegenden Konnotation auch reichlich Gebrauch. Das gilt besonders für Jan Koetsier, dessen "Cinq Nouvelles" einem beim Hören unweigerlich ein Hirschgeweih auf dem Kopf wachsen lassen - und das bei einer Spieldauer von lediglich acht Minuten. Gefällig, spielerisch und klassizistisch geben sich die Stücke von Eugène Bozza und Frigyes Hidas, die "Kammermusik" des letzteren allerdings nicht ohne Anspruch.
Doch dann tritt er unweigerlich zu Tage, der Unterschied zwischen einem Kleinmeister und einem Meister. Paul Hindemith hat es in seiner Sonate nicht nötig, auf irgendwelche Klischees zurückzugreifen. Das ist hochanspruchsvolle und gleichzeitig spannende Musik, die von den Interpreten alles fordert und die klanglichen Begrenzungen der Instrumente vergessen macht. Und als strahlenden Höhe- und Schlusspunkt gibt es die Sonate von Michael Tippett, ein klangmagisches, farbenfunkelndes und dabei springlebendiges Werk, das den Hörer in einen Märchenwald entführt, und zwar ohne jegliches Halali. Nicht umsonst griff Tippett in seinem schönsten Orchesterwerk "The Rose Lake" auf diese Komposition zurück.
Dem Leipziger Hornquartett gebührt höchster Dank dafür, dieses Schmuckstück vorgestellt zu haben. Doch auch die anderen Stücke erwecken launig und virtuos zum Leben - da macht es dann auch nichts, dass einige davon letztlich nicht viel mehr als Schall und Rauch zu bieten haben.

Thomas Schulz, 08.11.2001



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