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Claudio Monteverdi

Madrigale Erstes Buch

Delitiæ Musicæ, Marco Longhini

Naxos 8.555307
(64 Min., 6/2001) 1 CD

Dass Frauen an italienischen Höfen des 16. und 17. Jahrhunderts Madrigale sangen, ist erwiesen. Dass sie es in der Regel taten, keinesfalls. "Es soll den Hörern überlassen bleiben", sagen daher auch die Interpreten dieser Aufnahme, "ob sie diese nur von Männern gesungenen Fassungen den modernen Versionen mit gemischten Stimmen vorziehen."
Angesichts der Erschwinglichkeit der Naxos-Produkte sollte das einen nicht in Entscheidungsnöte treiben: Diese Aufnahme mit dem herberen, aber einheitlicheren Klangspektrum taugt sowohl als Zweit-CD für den aufführungspraktisch interessierten Kenner, wie sie dem Einsteiger ein überaus klar artikuliertes und lupenrein intoniertes Klangbild der Madrigalkunst Monteverdis vermittelt.
Doch bei aller Liebe zu klanglicher Homogenität und Männerstimmen werde ich mit der Interpretation auf Dauer nicht recht warm. Die Herren singen zu gerade; mir fehlen dynamische Feinjustierungen und die empfundene Sprachgeste. Ein einzelner brünstiger Seufzer auf das Wort "ancor" im sechsten Madrigal fällt da angenehm auf, wirkt im Zusammenhang aber wie abgesprochen.
Was nur ein Beckmesser in den Madrigalen kritisieren würde, fällt bei den "Zugaben" stärker ins Ohr: Bei drei solistischen weltlichen Kompositionen Monteverdis, die nur im Manuskript überliefert sind, müssten die Verzierungen von Tenor und Bariton mit größerer Leichtigkeit gesungen werden. Besonders interessant ist von diesen Trouvaillen übrigens das "Lamento d'Olimipia": Wer die Vorlage, Monteverdis unsterblichen "Lamento d'Arianna" noch nicht kennt, wird gerührt sein. Wer sie aber kennt, wird sich ein Lächeln über die durchaus geschickte musikalische Zweitverwertung der genialen Idee nicht verkneifen können. Und bei aller Redlichkeit des Ausdrucks mag er sich auch über den Kontratenor Paolo Costa amüsieren, dessen feinherbes Timbre dieser Frauengestalt noch ein wenig mehr vom halbseidenen Charme einer Drag Queen verleiht.

Carsten Niemann, 05.12.2002



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