Responsive image
Johann Sebastian Bach

Oster-Kantaten BWV 6, 66

Bernarda Fink, Dietrich Henschel u.a., English Baroque Soloists, Monteverdi Choir, John Eliot Gardiner

Archiv/Universal 463-580-2
(48 Min., 04/1999) 1 CD

Für das Barock war die menschliche Stimme immer noch das ideale Instrument. Nicht umsonst hat Nikolaus Harnoncourt seine Forschungen unter das Motto der "Klangrede" gestellt. John Eliot Gardiner sieht das wohl umgekehrt: Stimmen (sowohl seine Solisten wie auch die des Monteverdi-Chors) funktionieren für ihn wohl nur dann korrekt, wenn sie so gestochen präzise wie ein Instrument arbeiten. Da gibt es nur ein Hindernis: Anders als ein Cembalo braucht der singende Mensch Luft und also auch Zeit zum Atemholen.
Was auch immer die berühmten Fermaten am Ende von bachschen Choralzeilen heißen mögen, so viel Zeit muss dort auf jeden Fall sein. Bei Gardiner hört man hingegen: "Beweis dein Macht, Herr Jesu Christ, schnapp, der du Herr aller Herren bist; schnapp, beschirm" und so weiter. Manchmal treibt Gardiner seinen Chor tatsächlich zu instrumental-virtuosen Höchstleistungen, so im brillant konzertierenden Eingangschor von BWV 66, doch den spirituellen Gehalt dieser Musik vermag ein Taktstock-Diktator nie zu ergründen. Mit Verkniffenheit ist Bach nicht beizukommen.

Stefan Heßbrüggen, 01.12.1999



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Es liegt etwas Flirrendes, Sommerliches, ungemein Modernes in der französischen Musik zwischen 1900 und dem Erstem Weltkrieg, ein Aufbruch, der erst recht vollzogen werden konnte, als sich ein paar Komponisten gegen die Übermacht der Tonsprache Richard Wagners zu stemmen begannen. Doch was könnte man einer so perfekt ausgearbeiteten, fließenden Romantik entgegenstellen? Diese Frage führte Claude Debussy und Maurice Ravel dazu, sich im spielerischen Umgang mit der Vergangenheit neue […] mehr »


Top