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Gustav Mahler, Alban Berg

Sinfonie Nr. 4, Sieben frühe Lieder

Barbara Bonney, Concertgebouw-Orchester Amsterdam, Riccardo Chailly

Decca 466 720-2
(71 Min., 9/1999) 4 CDs

Die am wenigsten lineare (oder sagen wir: die einzige bewusst doppelbödige) Sinfonie Gustav Mahlers, nach den ausufernden Welt/Universum-Deutungsversuchen der drei Vorigen, lässt Riccardo Chailly ganz meisterlich spielen, mit verführerischem Können in den Soli, jedes Hinweisschild der Partitur wird getreulich beachtet.
Aber den Beckmesser juckt doch so Manches. Ist der erste Satz, zugleich musikalische Schlittenfahrt und falscher Walzer (nämlich im 4/4-Takt), nicht doch zu behaglich zelebriert, waren da nicht George Szell und Fritz Reiner nerviger, ruhloser? Michael Gielen auch und Simon Rattle. Der zweite Satz kommt ungeheuer raffiniert daher, reine Seide mitunter, aber ist Freund Hein, der die um einen Ton höher gestimmte Geige spielt, nicht etwas zahnlos dabei? Nie so, wie Mahler sagte: „schauerlich-grauenvoll“. Im dritten Satz versinkt man dank Schönklang, und Barbara Bonney gestaltet den vierten, ein scheinbar naives, gleichzeitig hämisches Liedel, nicht zu schwer, aber doch ein bisschen zu geradeaus, wenig schelmisch-ohne-es-zu-übertreiben. In den sieben frühen Berg-Liedern, heftige Spätromantik an der Schwelle zur eigenen Klangsprache, überzeugt sie viel mehr.
Es fällt nicht leicht, diese Aufnahme gegen die oben genannten Referenzen zu empfehlen - obwohl man’s natürlich könnte, denn sie hat die beste Klangqualität, passend zur etwas kulinarischen Interpretations-Haltung.

Thomas Rübenacker, 29.06.2000



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