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N° 1219
18. - 24.09.2021

nächste Aktualisierung
am 25.09.2021



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Gustav Mahler

Sinfonie Nr. 6

Philharmonisches Orchester Israel, Zubin Mehta

Teldec/Warner Classics 4509-98423-2
(78 Min.) 1 CD

Bislang galt Zubin Mehta nicht unbedingt als ein „extravaganter" Mahler-Interpret. Und doch kann der gerade sechzig Jahre alt gewordene Kosmopolit aus Bombay inzwischen eine stattliche Diskografie von fünfzehn Mahler-Aufnahmen vorweisen, das meiste am Pult des Israel Philharmonic, mit dem Mehta seit fast dreißig Jahren engstens verbunden ist. Jetzt scheint diese lange Kooperation endlich ganz ungewöhnliche Früchte zu tragen, und dies ausgerechnet in einer neuen Aufnahme der lange Zeit verschmähten „tragischen" Sechsten, die Mehta nun in einer dezidiert untragischen und eher lebenslustig-turbulenten Version anbietet.
So nervig gespannt und unprätentiös, frisch und geradlinig, dabei kontrapunktisch aufgerauht und kernig-trocken habe ich den sonst eher militärisch-zackig gehaltenen Kopfsatz der Sinfonie noch nicht gehört. Mehta befreit Mahlers Seelendramen von allen Nebelschwaden des Nordens, von allem pseudophilosophischen Ballast, von aller sentimentalen Unschärfe und lässt ihre Farbenpracht unter südlicher Sonne erstrahlen. Und die jüdischen Musiker wissen von selbst, ganz instinktiv, um die „Heimatlosigkeit" dieser Musik, um ihren tiefen Weltschmerz, aber auch um Mahlers bizarr-hypertrophe Renommiersucht.
Selten hat ein Orchester das „Panoptikum" der Mahlerschen Ästhetik, ihre Bildkraft und Welthaftigkeit, so forsch, elastisch und trocken in Klang gesetzt, und so neben aller Bedrohung und allem Fatalismus auch Mahlers Hang zur Weltflucht, zum Kitsch und zur grotesken Übertreibung durchscheinen lassen. Das klingt dann öfter nach Filmmusik, nach wüster Selbstbespiegelung und kalkulierten Effekten als es Mahler-Puristen lieb sein dürfte, aber es ist ein mutiger Versuch, ein wenig mehr Licht zu bringen in das tiefdunkle, hermetische Pathos dieser strengsten sinfonischen Arbeit Mahlers.

Attila Csampai, 31.03.1996



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