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Gustav Mahler

Sinfonie Nr. 2, Kindertotenlieder, Orchesterlieder

Heinrich Rehkemper, Grete Stückgold, Heinrich Schlusnus, Sara Charles-Cahier, Gertrud Bindernagel, Emmi Leisner, Staatskapelle Berlin, Oskar Fried, Jascha Horenstein

Naxos historical 8.1101152-53
(135 Min., 1915 - 1931) 2 CDs

Nur in Stereo - so heißt es immer wieder - und in möglichst guter Aufnahmequalität könne man Gustav Mahlers instrumentatorisch hoch komplexe Werke wiedergeben. Manche Autoren sehen darin sogar einen der Hauptgründe für die Mahler-Renaissance der sechziger Jahre. Sie setzte ein, als Stereo in den Wohnzimmern allgemeiner Standard war. Und nun das: Mahler-Aufnahmen aus der Frühzeit der Fonografie. Dem Fan audiofiler Einspielungen stehen die Haare zu Berge, der Mahler-Kenner ist gespannt auf interpretatorische Details (so weit sie hörbar sind).
Mit diesen Dokumenten können über weite Strecken hinweg nur Kenner etwas anfangen. Die monumentale zweite Sinfonie hinter einem rauschenden Wasserfall ist nicht jedermanns Sache. Vor allem im gigantischen Finale wird die Einspielung teilweise zur Farce, weil einfach alles im Toben der Nebengeräusche versinkt.
Ein interessantes Licht wirft die Einspielung auf den vor knapp achtzig Jahren herrschenden Orchesterstandard: Da gibt es Patzer in den Blechbläsern, viele, viele Unsauberkeiten in den Streichern - aber alles ist geprägt vom Willen Oskar Frieds (in der Sinfonie), der zu Mahlers Lebzeiten das Wohlwollen des Komponisten genoss und 1924 seinen Musikern dieses damals in großen Teilen sicher unverständliche Opus abtrotzen musste. Straffe Tempi sprechen hier eine deutliche Sprache. Ganz natürlich dagegen gehen die Sänger ihre Parts an. Kein Wunder: In ihren Linien folgt Mahler romantischen Lied-Traditionen und ist bei weitem nicht so komplex wie im einbettenden Orchesterapparat. Der Gegensatz macht ein interessantes Stück Mahler-Rezeption hörbar.

Oliver Buslau, 16.08.2001



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