Responsive image
Joseph Haydn

Sinfonien Nr. 93, 94 & 103

Solistes Européens Luxembourg, Jack Martin Händler

Music For You/Sony 500615 2
(75 Min., 1999) 1 CD

Was noch vor fünfzehn oder zwanzig Jahren gang und gäbe war, ist heute schon beinahe ein Exotikum: eine Haydn-Einspielung ohne Darmsaiten, Naturhörner und knatternde Pauken. Die Europäischen Solisten, ein in Luxemburg beheimatetes Orchester mit Musikern aus ganz Europa, spielt auf modernen Instrumenten und hat auch ansonsten wenig mit den Prinzipien der historischen Aufführungspraxis am Hut. Das soll nun nicht heißen, dass dieser Luxemburger Haydn altväterlich-behäbig oder gar großorchestral aufgeplustert daherkäme. Händler wählt durchweg frische, doch nie überzogene Tempi, seine Interpretationen sind federnd, rhythmisch präzise und entspannt. Im Vergleich mit den Einspielungen Harnoncourts mit dem Concertgebouw-Orchester (Teldec) wird hier lockerer musiziert, ohne Exzentrik und Schockpotenzial.
Kritik? Nun, höchstens, dass Haydns Liebe zur Überraschung, zum Irreführen und gelegentlich auch Aufschrecken des Publikums ("Paukenschlag"-Sinfonie Nr. 94!) in diesen Einspielungen ein wenig zu kurz kommt. Harnoncourt gestaltet etwa aus dem langsamen Satz der Sinfonie Nr. 93 mit dem unanständigen lauten Fagott kurz vor Schluss eine hintersinnige Komödie, während Händler doch etwas zu harmlos bleibt. Das gilt vor allem für die Sinfonie Nr. 103 ("mit dem Paukenwirbel"), in der, um einen Vertreter der Originalklang-Sparte zu nennen, Frans Brüggen mit dem Orchester des 18. Jahrhunderts (Philips) viel mehr Tiefgang und auch, in den ersten beiden Sätzen, Zwischentöne an der Grenze zum Bedrohlichen zu vermitteln vermag. Insgesamt jedoch macht die Einspielung durchaus Freude, und außerdem kostet sie wenig - 'reinhören lohnt sich.

Thomas Schulz, 14.12.2000



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Gleich vier Klaviere versammelte der Pianist Alexander Melnikov für diese hörenswerte Einspielung eines Repertoires, das allerhöchste pianistische Fähigkeiten erfordert. Dabei geht es Melnikov, wie er im Beiheft verdeutlicht, keineswegs darum, eine Aufnahme vorzulegen, die die Musik von Schubert, Chopin, Liszt und Strawinsky historisch korrekt auf dem Instrumentarium ihrer Zeit abbildet. Stattdessen bringt „Four Pieces, Four Pianos“ ein Kaleidoskop an Farben und Facetten mit sich, das […] mehr »


Top