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Joseph Haydn

Scottish and Welsh Songs, Trios Es-Dur und A-Dur, Six Original Canzonettas

James Taylor, Münchner Klaviertrio

Orfeo C 117 051 A
(75 Min., 6/2002) 1 CD

Faszination des Einfachen: Joseph Haydns Schottische und walisische Lieder, insgesamt etwa 400 Bearbeitungen originaler volkstümlicher Melodien, lassen den Sänger allein mit einfachen Kantilenen ohne jegliche virtuose Einsprengsel, eingebettet in einen unprätentiösen, umspielenden Begleitsatz für Klavier und zwei Streicher, der in der Regel auch noch die Melodielinie verdoppelt. Pure Stimmschönheit und uneitel-natürliche Gestaltungskraft sind gefragt, wenn diese Lieder unmittelbare Wirkung entfalten sollen. Von Fritz Wunderlich existiert ein 1963 in Wien entstandener Mitschnitt (Philips), der sieben dieser Lieder in einer gemäß den oben beschriebenen Parametern vorbildlichen Interpretation enthält. Es ist sicher kein Zufall, dass sich in James Taylors Auswahl von insgesamt zwölf Nummern aus dieser Werkgruppe fünf Titel befinden, die auch Wunderlich 1963 sang. Und Taylor braucht den offenbar gesuchten direkten Vergleich, der durch die Sprache – Wunderlich benutzte deutsche Texte – etwas relativiert ist, nicht zu scheuen: Mit seinem hellen, klaren, sehr "diesseitigen" Timbre entbehrt er in einer düsteren Nummer wie "William and Margaret" sicher ein wenig der letzten Ausdruckstiefe. Allerdings schmiegt sich seine Stimme bei stets vollkommener Entfaltung ihres betörenden Schmelzes sowie erstklassiger Textverständlichkeit von der ersten bis zur letzten Note perfekt in die vokale Linie. Ein Übriges bewirkt die Qualität des Begleitsatzes: Die ist in der vorliegenden Einspielung mit dem Münchner Klaviertrio deutlich höher als seinerzeit bei Wunderlich.
Gern hört man daher auch die beiden Klaviertrios Hob. XV:35 und 36, die das Programm sinnvoll abrunden: Überaus homogen und klanglich ausbalanciert wird hier musiziert, zudem mit großer Freude an der nachschöpferischen Entfaltung des musikalischen Materials.
Und im Zentrum dieses symmetrisch angeordneten Haydn-Rezitals darf James Taylor seine liedgestalterischen Fähigkeiten dann auch noch umfassender präsentieren: Eine breite Palette von Farben und dynamischen Abstufungen ist in den "Six Original Canzonettas" Hob. XXVIa:31-36 gefragt, die der Tenor, überaus elegant und fingerfertig begleitet von Donald Sulzen, vortrefflich einzusetzen versteht. Eine wahre Freude, vom ersten bis zum letzten Ton.

Michael Wersin, 25.06.2005



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