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Olivier Messiaen, Claude Debussy, Osvaldo Golijov, Gabriel Fauré

Lieder

Dawn Upshaw, Gilbert Kalish

Nonesuch/Warner 7559 79812-2
(62 Min., 3/2003) 1 CD

Wenn es immer noch eines Beweises bedarf, dass die Vokal-Musik des 20. Jahrhunderts nicht die Stimme quälen muss, dann ist es die Kunst der Dawn Upshaw. Ganz so weit ins experimentelle Lager wie ihre Kollegin Cathy Berberian wagt sich die amerikanische Sopranistin zwar nicht vor. Doch deswegen ist die von ihr favorisierte, gemäßigte Moderne nicht weniger anspruchsvoll. Was man ihr aber zu keinem Zeitpunkt anhört. Mit der für sie typischen strahlenden Reinheit verleiht sie den Opernpartien von Olivier Messiaen bis John Adams genauso Flügel, wie sie es bei Bach-Kantaten oder Händel-Arien schafft. Oder wie nun bei dem französischen Lieder-Strauß "Voices of Light", der Fauré, Debussy und Messiaen umfasst und der mit dem nur auf den ersten Blick ausgefallenen Zwischenruf "Lúi descolorida" des Argentiniers Osvaldo Golijov komplettiert wird. Und einmal mehr ist man einfach gefangen von einer unbeschadeten, fast gourmethaften und doch ins Himmlische reichenden Liedwelt, die Upshaw nicht zuletzt dank ihrer glänzend französischen Idiomatik gestaltet.
Aber bei Upshaw ist es eigentlich keine Frage der Interpretation, sondern vielmehr eine des (Er-)Fühlens und des Hineintauchens. Dem Lied-Zyklus "La Chanson d'Eve" von Gabriel Fauré verleiht sie ein zärtlich-romantisches Parfüm, der Rosenblütenstaub klingt sinnlich und dennoch nie narkotisch. Und in den "Chansons de Bilitis" von Claude Debussy sorgt sie für eine wundersam schillernde und glänzende Pastoralen-Stimmung, in der sich nicht nur Meister Pan wohlfühlt. Ähnliches gilt für das spanische "Lúi descolorida", dem man das Entstehungsjahr 1999 nicht glaubt. So reich an Melos und intimer Leichtigkeit ist dieses Kleinod, das Golijev kaum überraschend dem Dreamteam Upshaw/Gilbert Kalish gewidmet hat. Und wenn Upshaw schließlich ihr Herz für Messiaens Klangkosmos und die darin umherflatternden Vögel öffnet, dann wird selbst aus einem "Alleluia" in "Resurrection" ein spirituelles Bekenntnis, dem man sich zumindest für einige Minuten nicht verweigern kann und will.

Guido Fischer, 09.04.2005



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