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Franz Liszt

Etüden, Gnomenreigen, Waldesrauschen etc.

William Wolfram

Naxos 8.55 70 14
(63 Min., 1/2003 - 2/2003) 1 CD

Auf mittlerweile 20 CDs ist die vollständige Edition der Klavierwerke von Franz Liszt bei der Firma Naxos angewachsen - geplant sind sage und schreibe 80 "Volumes", eingespielt von diversen Pianisten. Ein verdienstvolles Projekt, denn viele Werke sind nicht oder nur verstreut erhältlich. Was einen jenseits der bekannten Stücke schnell in Verwirrung stürzen kann ist die Zahl der Fassungen und Versionen, denn Liszt war selten mit etwas zufrieden, das er einmal produziert hatte und legte gern immer wieder Hand an. So vor allem an die pianistischen Bravourstücke, an denen er seit seinem 13. Lebensjahr gefeilt hatte und die in den "Études d’exécution transcendante" ihren Höhepunkt fanden.
Die hier aufgenommenen "Études en douze exercices" von 1826, die sich der junge Pianist auf den Leib schneiderte, sind ganz frühromantisch und lassen in der Kompositionstechnik oft klassische Muster erkennen - der Knabe lernte noch bei Czerny. Für den reifen Komponisten stehen andere Werke, in erster Linie die ebenfalls als Etüden etikettierten Stücke "Gnomenreigen" und "Waldesrauschen", die neben Fingerakrobatik vor allem nach Charakterschilderung, nach Stimmungen und Impressionen verlangen. Mit dem amerikanischen Pianisten William Wolfram hat Naxos einen Musiker verpflichtet, der ersteres mit Bravour beherrscht, das Zweite aber eher sparsam umsetzt. Wolfram gehört gewiss nicht zu den Musikern, die angesichts schwelgerischer Klangkaskaden wie in "Waldesrauschen" selbst ins Schwelgen geraten. Eher empfindet man - bei geschmackvoll eingesetztem Rubato - eine ausgereifte Kontrolle des Materials, was zu Durchsichtigkeit und auch Klangschönheit führt, aber dafür Wildheit oder gar Exzess außen vorlässt.
Die "Trois études de concert" von 1848 zeigen aber auch einen Pianisten, der Stimmungs­nuancen und raschen Stimmungswechseln gegenüber nicht unempfindlich ist. Immer weiß man sich hier auf dem richtigen Weg, der aus Vorsicht oder dem Wunsch nach Exaktheit nur nicht ganz bis zum Ende beschritten wird.

Matthias Reisner, 01.05.2004



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