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György Ligeti

Violinkonzert, Cellokonzert, Clocks and Clouds, Mit Pfeifen, Trommeln, Schilfgeigen

Katalin Károlyi, Frank Peter Zimmermann, Siegfried Palm u.a., Asko/Schönberg Ensemble Amsterdam, Reinbert de Leeuw

Teldec/Warner Classics 6 85738 76312 2
(67 Min., 4/2001, 9/2001) 1 CD

Sie interessieren sich für Ligeti, wissen aber nicht, wo Sie anfangen sollen? Die Antwort ist einfach: mit dieser CD. Die Einspielung bietet nicht nur einen chronologischen Querschnitt durch das Schaffen Ligetis, sondern auch einige seiner farbigsten und eingängigsten Werke, die nicht nur Ligetis Neugier und Experimentierfreude, sondern auch seine ungehemmte Musikalität fern aller Ideologien deutlich machen.
Vom Cellokonzert aus den sechziger Jahren spannt sich der Bogen über "Clocks and Clouds" für Frauenchor und Orchester - ein geradezu hypnotisches Stück "Ligeti Light", bestens geeignet zum Kennenlernen seiner Musik - zu den ganz frischen Liedern "Mit Pfeifen, Trommeln, Schilfgeigen", deren sechstes "Bittersüß" regelrecht zum Mitsingen einlädt. Denkbar weit hat sich Ligeti hier von seinen avantgardistischen Anfängen entfernt - doch ist er nirgendwohin zurückgekehrt, sondern hat sich stattdessen neu erfunden.
Der Clou der CD ist Frank-Peter Zimmermanns Interpretation des Violinkonzerts. Was dieser Teufelsgeiger, dem unverständlicherweise lange der Nimbus des Braven und Gediegenen anhaftete, aus der diffizilen Partitur herausholt, ist phänomenal - vom verhuschten Anfang bis zur völlig verrückten, wie eine Rakete abhebenden Kadenz, die Zimmermann - wie Ligeti es ausdrücklich gestattet - zum Teil selbst geschrieben hat. Zimmermanns Lehrer Gawrilow (Deutsche Grammophon) und die dänische Geigerin Christina Åstrand (Chandos, siehe Rezension) haben mit ihren Einspielungen das Nachsehen. Es ist eine Farce: Permanent werden von den Plattenfirmen "Ausnahmeinterpreten" aus dem Hut gezaubert, und ausgerechnet Frank-Peter Zimmermann, auf den diese abgegriffene Vokabel tatsächlich zutrifft, hat keinen Plattenvertrag!
Das vom Komponisten persönlich betreute Ligeti-Projekt entwickelt sich mit jeder Folge mehr zu einem absoluten Lichtblick auf dem Tonträgermarkt - und zwar in musikalischer ebenso wie in klangtechnischer Hinsicht. Da empfiehlt sich nur: zugreifen - wer weiß, ob die CDs in einem Jahr noch erhältlich sind!

Thomas Schulz, 24.10.2002



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