Responsive image
Charles Koechlin

Die Musik für zwei Pianisten

Yaara Tal, Andreas Groethuysen

Music For You/Sony 5 099708 961824
(78 Min., 8/2000) 1 CD

Von Charles Koechlin (1867-1950) laufen Verbindungsfäden in alle Richtungen der neueren französischen Musikgeschichte. Er war Schüler von Massenet und Fauré, Freund von Debussy, Ravel, Satie sowie Mitgliedern der „Six“, insbesondere Milhaud und Poulenc, der von ihm unterrichtet wurde. Ligeti hat ihn einmal als wichtiges Bindeglied zwischen Debussy und Messiaen bezeichnet.
Letztlich passen Koechlins über zweihundert Werke (die ohnehin nicht auf einen einzigen Nenner zu bringen sind) in keine gängige Kategorie: harmonische Finesse, die Vorliebe für klare Linearität, dezenter Humor und eine Qualität, die man als unauffällige „stille Größe“ bezeichnen könnte, zeichnet die großzügig fließenden Kompositionen aus.
Die aus dieser CD versammelten Werkgruppen aus drei Jahrzehnten gewähren Einblick in verschiedene Schaffensperioden: Die Suiten aus den neunziger Jahren sind reizvolle Genrestücke. Die französischen Sonatinen aus dem Jahr 1919 empfehlen sich durch inventionsartigen Fluss und volksliedartigen Scharm. In den dreißiger Jahren war Koechlin ein leidenschaftlicher Cineast. "Le portrait de Daisy Hamilton" sind Skizzen zu einem imaginären Film, für den er sich von Lilian Harvey inspirieren ließ. Die "Danses pour Ginger" sind der berühmten Stepp-Partnerin Fred Astaires gewidmet. Vermutlich hätten beide Schönen die geistvollen Miniaturen Koechlins als etwas schrullig empfunden; vergeblich hätte Harvey nach einprägsamen Melodien, Ginger Rogers nach tanzbaren Rhythmen gefahndet.
Yara Tal und Andreas Groethuysen waren schon immer ein Garant für Entdeckerfreuden. Ihrem glänzenden Ruf werden sie mit dieser Aufnahme, die Feinnervigkeit und Spielfreude vereint, vollauf gerecht. Mit transparentem, blitzsauberem Spiel aus dem liebevolle und intensive Beschäftigung mit dem vermeintlichen Kleinmeister spricht, nehmen sie uns so sehr für ihn ein, dass man mit jedem Ton mehr Lust auf Koechlin und auf dieses herausragende Duo bekommt.

Marcus A. Woelfle, 22.03.2001



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Beutezüge im Barock: Manche Solisten haben das Pech, dass die größten Komponisten gerade für ihr Instrument kein Konzert geschrieben haben. Keine Trompete bei Mozart, keine Flöte bei Bach und überhaupt keine Konzerte von Schubert. Und obwohl Antonio Vivaldi dank seiner versatilen Schülerinnen in der Pietà für fast jedes erdenkliche Instrument und jede Kombination Concerti in Fülle entworfen hat – allein 39 für’s Fagott, nur seine eigene Violine hat mehr bekommen – gibt es […] mehr »


Top