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Jacques Ibert

Klavierwerke

Hae-won Chang

Naxos 8.554720
(71 Min., 9/1991) 1 CD

Es ist leider oft so, dass entlegene Werke, die eigentlich eines starken Fürsprechers bedürften, unter den Händen weniger Berufener zerbröselt werden. Zwar gibt es viele unbekannte Musiker, die sich den seltenen Blumen mit einer Hingabe widmen, derer sich die Stars schämten, aber da sind eben auch ziemlich vertane Chancen.
Hae-won Changs nahezu kompletter Gang durch Jaques Iberts Klavierwerk, 1992 unter teurerer Marco-Polo-Flagge erschienen, wird mit der Wiederveröffentlichung leider auch nicht besser. Die koreanische Professorin muss eine hervorragende Kennerin der französischen Schule des beginnenden 20. Jahrhunderts sein, doch auch ihre Pierné-CD, wie die Ibert-Platte konkurrenzlos im Katalog, bewies, dass sie diese Neigung nicht hinreichend vermitteln kann. Denn der Charme der kleinen Kostbarkeiten muss belebt werden, hier glänzen Augen nicht von allein.
Und doch ahnt man, dass der Zyklus der "Histoires" von einer zerbrechlichen Anmut, Ironie und Traurigkeit sein muss. Aber es bleibt bei Ahnungen. Weil ein Stück den Titel "Der Glaskäfig" trägt, muss das Pedal wohl nicht gleich so durchgetreten werden, das man trübe Scheiben sieht. Da hat sie poetisch sein wollen. Meist aber ist Haw-won Chang so trocken und buchstabierend, dass man nurmehr Bauplänen lauscht. Aber es hilft nichts – um sich mit diesen köstlichen Miniaturen zu befreunden, ist die Veröffentlichung unersetzlich.

Matthias Kornemann, 11.05.2000



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