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Carl Nielsen

Sämtliche Sinfonien

Dänisches Nationalorchester, Michael Schønwandt

Dacapo, 2.110405
(59 Min., 2002) 1 DVD, mit: Carl Aage Rasmussen: The Light and the Darkness [Das Licht und das Dunkel - Über Carl Nielsen Leben und Musik]

Nach der letzten Sinfonie bekommt Michael Schønwandt nach guter alter dänischer Tradition von seinen Orchestermusikern einen dicken Kranz umgehängt (den er gleich bescheiden auf Nielsens Partitur legt). Er hat ihn sich schon verdient, denn wie er das sinfonische Gesamtwerk von Nielsen erarbeitet hat, das kann sich hören lassen. Schønwandts Ansatz ist dabei so moderat wie der Dirigent selbst: Glänzende Egotrips wie Bernstein mit seiner Version der dritten Sinfonie will er bewusst nicht bieten, dafür punktet der Däne gerade in den späten Sinfonien mit großer Durchhörbarkeit und sinnlich herausgearbeiteten Details der reich instrumentierten Partituren. Muss man sich das Ganze aber auch noch ansehen - wo es Schønwandts Interpretation doch schon als Gesamteinspielung auf CD gibt? Schwer zu entscheiden! Wer in ein wildbewegtes Dirigentenantlitz schauen muss, um zu wissen, was er bei Nielsen fühlen soll, wird enttäuscht. Denn die Regie interessiert sich - zu Recht - vor allem für das, was im Orchester passiert. So nah zoomt sich die Kamera an das Geschehen heran, dass das Triangel bisweilen den ganzen Bildschirm füllt. Auf diese Weise erfährt man ziemlich genau, wie die vielfältigen Effekte der Partitur entstehen. Der große emotionale Bogen gerät darüber allerdings manchmal aus dem Blickfeld - zumal auch die Orchestermusiker leider oft recht indifferente Postbeamtenmienen aufsetzen. Ausgleich schafft Carl Aage Rasmussens dokumentatorisches Nielsen-Porträt, das den DVDs beigelegt ist. Obwohl Rasmussen Komponist ist und außerdem noch O-Tönen eines von Noten umgebenen Nielsen-Experten eingeblendet werden, wird die Musik mehr über teils stimmungsvolle teils konventionelle Bilder erklärt. Dafür aber erzählt Rasmussen die wechselhafte Künstlerehe zwischen dem Komponisten und der bedeutenden Bildhauerin Anne Marie Brodersen einfühlsam und mit gut gewählten Zitaten aus den auch literarisch wertvollen Briefen des Paares nach.

Carsten Niemann, 03.11.2006



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