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N° 1273
01. - 07.10.2022

nächste Aktualisierung
am 08.10.2022



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Giovanni Pierluigi da Palestrina

Le Vergini, Missa Ave Regina coelorum

Ensemble Officium, Wilfried Rombach

Christophorus/Note 1 CHR 77236
(59 Min., 9/2000 - 10/2000) 1 CD

"Vergine bella, vergine saggia, vergine pura" - acht Mal hebt Giovanni Pierluigi da Palestrina (1525-1694) nach Madrigalart zum Lob der himmlischen Jungfrau an: jedes Mal ein anderes preisendes Beiwort durchdeklinierend, die acht Kirchentöne der Reihenfolge nach abschreitend, die Poesie kunstreich in zwei plus drei Abschnitte gliedernd. Zweifellos ist es ein esoterisches Vergnügen sich diese Madrigale auf Verse Petrarcas (1304-1374) zu Gemüte zu führen.
Eine schwierige Aufgabe für jedes Ensemble, das sich mit dieser Musik auf dem Markt präsentiert, sind die Stücke allemal, denn das Duo Petrarca/Palestrina verlangt nicht nur inhaltlich nach einer Darbietung der Qualitätsstufe "extra vergine". Angegangen ist diese Aufgabe das Ensemble Officium, ein junger Heidelberger Chor, der erst seit zwei Jahren mit vollem professionellen Anspruch und beachtlichem Erfolg an die Öffentlichkeit tritt. Ich für meinen Teil würde die Musiker nach dem Anhören dieser Aufnahme gerne im Konzert erleben: Es sind durchweg angenehm warme, gut geerdete und gelassen atmende Stimmen zu hören, die allerdings, dreifach besetzt und aus der Nähe aufgenommen, vielleicht etwas zu kompakt für diese kunstreich gewobene Musik wirken.
Dass die Stücke nach mehr Raum zum Atmen zu verlangen scheinen, kann allerdings auch noch einen anderen Grund haben. Palestrina, der Altmeister der klassisch-erhabenen Einfachheit, lässt seine Melodien zwar auch im Madrigal nur sehr kalkuliert und ökonomisch auf- und abschwingen. Doch trägt man sie wie hier mit allzu viel mönchischer Gelassenheit vor, dann wirken die sparsam eingestreuten textausdeutenden Passagen entweder blass oder seltsam unruhig.
Überzeugender präsentiert sich das Ensemble deswegen in der "Missa Ave Regina coelorum": Hier hat Palestrina die Stimmen weniger dicht gepackt und die einzelnen Worte viel weniger individuell ausgedeutet. Das scheint den Sängern, die bisher besonders als Spezialisten für Gregorianik auf sich aufmerksam gemacht haben, entgegenzukommen: mit ihrem ausgeprägten Sinn für die überlegte Gestaltung ausgeklügelt gesetzter, aber unaufgeregt schwingender Einzelstimmen nehmen sie in der Messe ganz für sich ein.

Carsten Niemann, 12.07.2001



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