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N° 1219
18. - 24.09.2021

nächste Aktualisierung
am 25.09.2021



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Johann Sebastian Bach

Vier Orchestersuiten (Ouvertüren), BWV 1066-1069

New London Consort, Philip Pickett

Decca 452 000-2
(116 Min.) 2 CDs

Schon die erste Bach-Einspielung Philip Picketts vor zwei Jahren mit den unglaublich locker und tänzerisch dargebotenen „Brandenburgischen Konzerten“ war eine Sensation: Kein anderer Historist hatte sich zuvor so radikal und musikalisch überzeugend vom althergebrachten Breitwandsound zu lösen verstanden wie der instinktsichere Radikalhistorist aus London, der nun erneut eine fantastisch verjüngte, entschlackte und vor allem entmystifizierte Deutung der „Ouvertüren-Suiten“ mit seinem exzellenten Barock-Solisten-Ensemble vorgelegt hat. Derart stilsicher und kammermusikalisch virtuos zurückgebettet in ihr authentisches, französisch gefärbtes Klang-Ambiente lassen die vier „Evergreens“ ihre individuellen Vorzüge und Charakterunterschiede viel deutlicher zum Vorschein kommen als mit dem sonst üblichen aufgeblähten Barock-Pathos.
Pickett verfügt über ein wunderbar „natürlich“ fließendes Tempogefühl, das aus den zeitgenössischen Theorien über den Charakter der einzelnen Tanztypen schöpft. So erfahren wir nebenbei, dass das Menuett nur „mäßige Lustigkeit“, die Gavotte aber „jauchzende Freude“ verbreite, die Ouvertüre „Edelmut“ und die Gigue „Flüchtigkeit“ in Klang setze. Aber auch ohne dieses Wissen vermitteln Picketts intelligente Bach-Exkursionen einen äußerst plastischen, lebendigen und farbenfrohen Einblick in die Feinstrukturen des Bachschen Kontrapunkts. Historische „Authentizität“ ist eben in erster Linie eine Frage des richtigen „Klang-Empfindens“.

Attila Csampai, 01.01.1970



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