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Sergei Prokofjew, Ottorino Respighi, George Crumb, Anton Webern

Violinsonate Nr. 2, Sonate h-Moll u.a.

Anne-Sophie Mutter, Lambert Orkis

Deutsche Grammophon 469 503-2
(63 Min., 5/2000) 1 CD

"Jedes dieser Stücke sollte uns emotional berühren, und mit berühren meine ich nicht unbedingt umschmeicheln." Dass dieser Satz ausgerechnet von der Interpretin einer wirklich bemerkenswert kandierten zweiten Prokofjew-Sonate stammt, ist etwas seltsam.
Diese Live-Aufnahme ist von einer bewundernswürdigen geigerischen Perfektion, aber eine musikantische Balance erstellen Anne-Sophie Mutter und Lambert Orkis bei diesem Prokofjew-Zuckerl in keinem Takt. Ich hatte mir nach dem Beethoven-Zyklus vorgenommen, kein böses Wort mehr über Lambert Orkis zu verlieren, aber die weich-resignierte Zurücknahme des Klavierparts bringt diese Interpretation aus dem Gleichgewicht. Die langen schmachtenden Bögen Anne-Sophie Mutters verlangen danach, von sarkastisch knappen Einwürfen einer kernig-trockenen Piano-Stimme aufgefangen zu werden. Orkis aber, diskret murmelnd den dünnen Satz abspulend, gibt den Part des Hausdieners.
Respighis h-Moll-Sonate ist ein ganz schön schmalziges Stück Spätestromantik. Völlig überraschend agiert Lambert Orkis hier – oder hat der dichte, brahmselnde Klavierpart ihm das aufgezwungen? Er zeigt Temperament und Farbsinn, ohne allerdings jene Klangfülle aufzutürmen, die Respighi fordert: Überall dreifaches Forte, am Ende der Passacaglia gar vierfaches. Hier hatte Orkis es in der Hand, "Vergeltung" zu üben für jahrelange Zurücksetzung - Anne-Sophie Mutter aber hält dagegen und nutzt das beachtliche klangliche Potenzial des Stückes. Die Fortissimo-Ballungen spielt sie unfasslich sauber und mit einem durchaus persönlichen Ton, dessen samtige Üppigkeit man rasch als spezifisch Mutter'sch wiedererkennen würde. Mir hat diese etwas aufgedonnerte Vollblutvorstellung einiges Vergnügen bereitet. Über den Charakter der "emotionalen Berührung“ ließe sich allerdings streiten.

Matthias Kornemann, 19.10.2000



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