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Sergei Prokofjew

Romeo und Julia

Cincinnati Symphony Orchestra, Paavo Järvi

Telarc/In-Akustic 080597
(74 Min., 9/2002, 2/2003) 1 CD

Hand aufs Herz, das Cincinnati Symphony Orchestra ist keines von den legendären Big Five. Seit Jahrzehnten gelten das Boston Symphony Orchestra, das Chicago Symphony Orchestra, das Cleveland Orchestra, das New York Philharmonic und das Philadelphia Orchestra als die bedeutendsten, besten Klangkörper der USA. Cincinnati spielt in der zweiten Reihe. Das heißt: Seit Paavo Järvi das Orchester 2001 als Chefdirigent übernahm, hat sich einiges geändert. Die Big Five, die, seien wir ehrlich, zu einem nicht unerheblichen Teil von der Reputation vergangener Tage leben, müssen sich warm anziehen.
Mit den drei "Romeo-und-Julia"-Suiten, die der estische Maestro und Bernstein-Schüler mit seinem Orchester eingespielt hat, befindet sich Järvi auf der Überholspur. Oder sagen wir: Die Überholspur ist in Sicht. Järvi beschönigt nicht und glättet nichts. Im Gegenteil, er schält die Reibungen, die extremen Kontraste der Prokofjew'schen Partitur reizvoll heraus, er fährt mit der Lust am Risiko auf Kollisionskurs. Beinahe. Tritt im letzten Augenblick auf die Bremse. Reißt das Steuer rum ins Reich des sanft schmeichelnden Schönklangs. Seine Musiker folgen ihm furchtlos. Fasten your seatbelt, hier kommt Paavo!

Jochen Breiholz, 12.06.2004



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