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Giacomo Puccini

Manon Lescaut

Maria Guleghina, Lucio Gallo, José Cura, Chor der Oper Zürich, Orchester der Oper Zürich, Riccardo Muti

Deutsche Grammophon 463 186
(118 Min., 6/1998) 2 CDs

Anders als Verdi spielt Puccini in der Diskografie Riccardo Mutis bislang keine große Rolle: neben der "Tosca" von 1991/92 ist dieser Mitschnitt von "Manon Lescaut" das einzige offizielle Puccini-Dokument des musikalischen Direktors der Scala. Das ist insofern erstaunlich, als Muti offenkundig ein echtes Gespür für das Idiom Puccinis besitzt, für die Nuancen in der Agogik, für die subtile Klanglichkeit, und die theatralischen Effekte, die er mit traumhafter Sicherheit zelebriert.
Leider liegt die Sängerbesetzung nicht auf dem selben Niveau. Maria Guleghina bringt für die Partie der Manon eine etwas zu schwere Stimme mit; sie vermag wohl mit kraftvollen Spitzentönen zu beeindrucken und wirkt in der Sterbeszene durchaus anrührend, doch die Fassetten des Koketten, Verführerischen, Galanten gelingen ihr weniger.
Noch eindimensionaler wirkt die vokale Zeichnung Des Grieux' durch José Cura: an die Stelle differenzierender Gestaltung, welche die Entwicklung des Chevaliers vom schüchternen Jüngling zum schicksalsgeprüften Manne aufzeigt, tritt überwiegend die Präsentation eines zwar durchaus attraktiven Stimmmaterials, dessen Wirkung allerdings durch tenorale Unarten geschmälert wird. Das Übermaß an Schluchzern bereits zu Beginn, die ewige Träne in der Stimme lässt Curas Auffassung ziemlich altmodisch erscheinen, verhindert im letzten Akt, dass die Verzweiflung Des Grieux' den Hörer in Bann schlägt. Lucio Gallo verkörpert einen eher harmlosen Lescaut, dessen zwiespältiger Charakter hier kaum zu erahnen ist.

Norbert Christen, 16.03.2000



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